Interview-Reihe Teil 2: Anett Enzmann

Anett wollte eigentlich Altphilologin und Musikwissenschaftlerin werden, ist dann aber 2011 auf verschlungenen Pfaden über Schreiben und Videojournalismus zum Übersetzen gekommen. Sie übersetzt aus dem Englischen ins Deutsche (manchmal auch umgekehrt, aber immer mit muttersprachlichem Lektorat) und tummelt sich vorwiegend im Bereich Videospiele & Software, Musik, Lifestyle und Marketing. Wenn sie nicht gerade in ihrem zauberhaften Büro in Lüneburg sitzt und neben der Arbeit an irgendeinem kreativen Projekt werkelt (da ist diese Kunstsprache, die im Laufe eines frühen Projektes mal schrecklich eskalierte … und gab es da nicht mal dieses Musikprojekt?) streift sie am liebsten durch die kalifornischen Berge und Wüsten (natürlich nie ohne Kamera!) oder bildet sich in amerikanischer Popkultur weiter. (Das ist die höfliche Umschreibung dafür, dass sie jede Menge Netflix konsumiert.) Man findet sie unter www.spellwords-translation.net sowie auf Twitter, Facebook und Instagram.

Wie kamst du auf die Idee, Übersetzerin zu werden?

Das war im Grunde Zufall. Ich arbeitete damals als Journalistin und Autorin und lernte zwei befreundete Schriftsteller kennen, die mir erzählten, dass sie in der Spieleübersetzung arbeiten – ein Feld, über das ich mir bislang eher wenig Gedanken gemacht hatte, das mich aber sofort interessierte. Sie gaben mir den Kontakt zu einer befreundeten Agentur und eine Woche später hatte ich meinen ersten Auftrag. Und irgendwie bin ich dabei geblieben.

Was liebst du an deinem Job am meisten?

In der Spieleübersetzung erlebt man jeden Tag etwas Neues. Ich werde nicht müde zu betonen, dass das durchaus eine Spezialisierung für sich ist – gerade in Zeiten von eSports, VR und Streaming und dem damit einhergehenden Lingo der meisten Spieler –, jedoch gleichzeitig ein breites Allgemeinwissen erfordert. Man weiß nie, ob das nächste Spiel sich nicht um die griechische Antike, die Feinheiten nepalesischer Kampfstile, das Sozialverhalten feliner Vierbeiner, den Einfluss der Templer auf den amerikanischen Bürgerkrieg oder die Klimabedingungen auf dem Mars dreht (nur eines dieser Beispiele ist erfunden, ihr dürft gern raten, welches!). Ich lerne also mit jedem Projekt gleichzeitig etwas Neues. Die unterschiedlichen Stile und Stimmungen jedes einzelnen Projekts erlauben das immer neue Spiel mit Sprache – es wird also nie langweilig.

Was hasst du an deinem Job am meisten?

Spiele sind meist lang. Sehr lang. So kann es sein, dann ich manchmal wochenlang an nur einem Projekt sitze und das dann danach auch eine ganze Weile nicht mehr sehen will. Und dann gibt es da noch die in der Software-Lokalisierung üblichen Einschränkungen und Stolpersteine: Zeichenbegrenzung, Platzhaltervariablen und String-Listen … das kann bisweilen sehr mühsam sein, insbesondere innerhalb der in der Branche üblichen, oft sehr knappen Abgabetermine. Aber „hassen“ ist hier wohl etwas zu hoch gegriffen.

Welchen Tipp würdest du anfangenden Kolleginnen geben?

Arbeitet. Nicht. Umsonst.

Die Spielebranche wird förmlich überrannt von ambitionierten Neueinsteigern, „Fans“ und Studenten, die, um Kunden für ihr Portfolio zu sammeln, ihre Dienstleistungen umsonst oder deutlich unter dem Marktpreis anbieten. Das macht es uns allen schwer, dem immer stärker werdenden Preisverfall entgegenzuwirken UND sorgt zudem dafür, dass der Ruf der Spieleübersetzer mehr und mehr leidet, denn diese Fan-Übersetzungen sind oft einfach nicht gut. Unter Gamern haben Übersetzungen ohnehin einen eher schlechten Ruf (warum das so ist, würde jetzt zu weit führen), und jede halbherzige Übersetzung trägt dazu bei, die Abwärtsspirale zu beschleunigen.

Ansonsten: Sucht euch einen Lektor! Für alles! Immer! Gerade unter Zeitdruck passieren Fehler und oft habt ihr nicht die Zeit, den Text einen Tag lang liegen zu lassen und dann glattzuziehen. Dem Kunden einen veröffentlichungsreifen Text anbieten zu können ist ein großer Mehrwert, der zwar nicht von jedem Kunden gebucht werden wird, der euch aber langfristig hilft, einen Ruf aufzubauen und dadurch auch stärker auf Qualität bedachte Kunden zu gewinnen. Die Branche ist klein, man kennt sich.

Und abschließend mein Lieblingsratschlag für angehende Spieleübersetzer oder Leute, die das mal nebenbei mitnehmen, weil es ja so schwer nicht sein kann:

Ein Großteil der Arbeit besteht nicht in der Übersetzung bombastischer Zwischensequenzen oder emotionsgeladener Dialoge. Die Hauptarbeit ist die UI, „Item“-Listen, Missionsbeschreibungen, „AI Barks“ (das sind die Halbsätze, die Gegner dem Spieler zurufen, und das sind bisweilen tausende!), des drölfzigsten Updates für die Saison XY oder das tolle neue Feature Z, seltener auch AGB und Datenschutzrichtlinien. Und das fast  immer unter Zeitdruck und mit den zuvor erwähnten Stolperfallen (Zeichenbegrenzung, Variablen …) und den Kollegen im Nacken, die das Ganze für einen halben Cent weniger machen.

Spiele sind eine Spezialisierung, Gamer-Sprache ist stetig im Wandel und unterliegt eigenen Regeln. Das solltet ihr euch klar machen, bevor ihr euch in diese Richtung spezialisieren möchtet.

Was würdest du an deiner Ausbildung/an deinem Werdegang heute anders machen, wenn du könntest?

Nicht viel, wenn ich ehrlich bin. Meine gesamte Laufbahn hat mich an den Punkt geführt, an dem ich jetzt bin. Rückblickend wünschte ich lediglich, mich früher auf eine weitere Fachrichtung spezialisiert zu haben – in einem sich ständig ändernden Markt kann Diversifizierung nie schaden.

Direktkunden oder Agenturen?

Da die meisten Spiele sehr umfangreich sind und in mehr als eine Sprache übersetzt werden, laufen die meisten Aufträge über Agenturen. Es gibt Direktkunden da draußen, aber die sind selten oder haben bereits ihren festen Stamm an Übersetzern. Und wenn ihr euch einen Stamm an guten (!) Agenturen aufgebaut habt, hat das auch durchaus seine Vorteile.

Für alles andere arbeite ich gern mit Direktkunden – nicht zuletzt, weil ich genau besprechen kann, was sie sich wünschen und sich im Idealfall eine langjährige, vertrauensvolle und vertraute Zusammenarbeit ergibt. Gerade bei Marketingtexten und Texterstellung greife ich gern zum Hörer und spreche über einzelne Lösungen mit dem Entscheider beim Kunden, um dann gemeinsam ein Endprodukt liefern zu können, mit dem alle Seiten glücklich sind.

Welchen Tipp hast du für die erfolgreiche Kundenakquise?

Geht dorthin, wo eure Kunden sind. Kontakte und Netzwerke mit Übersetzern sind toll, und manchmal werdet ihr sicher auch weiterempfohlen, aber eure Kunden sind nicht auf Übersetzerkonferenzen oder -stammtischen, sondern auf Fachmessen für ihre Branche und/oder Industrie. Werdet „eine/r von ihnen“, lernt die Regeln, nach denen die Branche funktioniert und begreift euch als Experte auf eurem Gebiet (am besten seid ihr es dann auch), nicht als Dienstleister, nicht als Bewerber und schon gar nicht als Bittsteller. Niemand, wirklich niemand wird auf ein „Hallo, ich bin Übersetzer/in!“ mit einem Auftrag reagieren. Was – meiner Erfahrung nach – funktioniert, ist allein ein intelligentes Gespräch über die Dinge, die den Kunden interessieren. Und die Feinheiten von Übersetzungen gehören in der Regel nicht dazu. Und das Allerwichtigste: Habt Spaß – an eurer Branche, mit euren Kunden und mit ihren Texten!

Interview-Reihe Teil 1: Thomas Baumgart

Thomas Baumgart ist Übersetzer und Konferenzdolmetscher für Deutsch, Spanisch und Polnisch. Er hat seinen Abschluss im B. A. Sprache, Kultur, Translation (mit Sachfach Wirtschaft) und M. A. Konferenzdolmetschen am FTSK in Germersheim gemacht. Bereits während des Studiums arbeitete er im Lebensmitteleinzelhandel und als technischer Übersetzer aus dem Deutschen ins Spanische für ein IT-Unternehmen. Das erklärt auch seine Schwerpunkte: Wirtschaft & Handel, Ernährung & Landwirtschaft sowie Industrie & IT. Darüber hinaus arbeitet er gerne in den Bereichen Freizeit & Touristik sowie Umwelt. Seiner Leidenschaft als deutschsprachiger Texter geht er als ehrenamtlicher Redakteur auf der Online-Plattform Polen.pl nach. Mehr zu ihm und seiner Arbeit findet man unter thomasbaumgart.eu.

Wie kamst du auf die Idee, Übersetzer zu werden?

Ich denke, durch meine zweisprachige Erziehung (Deutsch und Polnisch) wurden die Weichen für meine Affinität zu Sprachen gelegt. Außerdem verbrachten wir unsere Familienurlaube, seit dem ich noch ein kleiner Junge war, regelmäßig in Polen und Spanien, wodurch auch der dauerhafte Kontakt mit der spanischen Kultur und Sprache entstand. In der Schule fing es klassisch mit dem Englisch- und Französischunterricht an und ich merkte: Fremdsprachen machen mir nicht nur Spaß, sondern liegen mir auch obendrein. Nebenbei begann ich, Spanisch im Selbststudium zu lernen und ab der 9. Klasse besuchte ich fünf Jahre lang den Spanisch-Schulunterricht. Später ploppte in mir der berüchtigte Satz „Ich will etwas mit Sprachen machen“ auf. Den Tipp, in Germersheim Übersetzen und Dolmetschen zu studieren, bekam ich von meiner Französischlehrerin. Während des Studiums nutzte ich jede Möglichkeit, unter anderem Auslandsaufenthalte, um mein Spanisch und Polnisch zu festigen.

Wie hast du deine Spezialisierung gefunden und wie hast du dich dann in diesem Fachbereich spezialisiert?

In meinem Fall entstanden die Spezialisierungen einerseits aufgrund dessen, was ich erlernt habe, und andererseits durch das, was mich persönlich interessiert und mir Spaß bereitet. Soll heißen: Durch den Oberstufenunterricht, das von mir im Bachelor-Studium gewählte Sachfach Wirtschaft, den Fachübersetzungsunterricht und die behandelten Themen im Master-Studium entwickelten sich die Themen Politik und Wirtschaft zu einem Fachgebiet. Mein zweites Fachgebiet, IT und Technik, entstand durch mein persönliches Interesse für diese Themen und meine Berufserfahrung als technischer Übersetzer aus dem Deutschen ins Spanische bei einem IT-Unternehmen, zunächst als Werkstudent und später auch in Festanstellung. Mein größtes Hobby ist das Kulinarische, also was mit Essen, Trinken, Kochen, aber ebenso Ernährung, der Lebensmittelindustrie und Landwirtschaft zu tun hat. Außerdem habe ich über zwei Jahre im Lebensmitteleinzelhandel wertvolle praktische Erfahrungen gesammelt. 

Wie kamst du an deinen allerersten Auftrag?

Meine allerersten Aufträge erhielt ich durch die Datenbank für ermächtigte Übersetzer und vereidigte Dolmetscher. Es waren kleinere Aufträge von Privatkunden. Es waren in der Regel Anfragen für beglaubigte Übersetzungen aus dem Spanischen ins Deutsche. Meinen ersten dicken Brocken erhielt ich durch einen Werbebrief, den ich an ausgewählte bundesweit vertretene Unternehmen versandte. Auf das Thema Werbebriefe gehe ich bei der Frage über die erfolgreiche Kundenakquise noch ein. Jedenfalls bekam ich einen Anruf, der mit der Aussage begann: „Wir haben Ihren Werbebrief erhalten und würden Ihre Dienste gerne direkt in Anspruch nehmen!“

Welchen Tipp würdest du anfangenden Kolleginnen geben?

Fühler ausstrecken, offen sein, alles geben, genug Kraft und Lust haben und viel investieren. Es geht nicht nur um finanzielle Investitionen, sondern auch um Zeit und Durchhaltevermögen. Aller Anfang ist schwer und je früher man sich mit dem Berufseinstieg auseinandersetzt, desto besser. Es gibt viele Anlaufstellen und Ratgeber, die einen unterstützen, doch um seinen eigenen Erfolg muss man sich schon selbst kümmern. Außerdem halte ich es für eine gute Idee, direkt nach dem Studium nicht verbissen in die Selbstständigkeit zu gehen. Es ist häufig eine dienliche Alternative, zunächst eine Festanstellung zu suchen. Auch wenn der Angestelltenjob wenig mit dem Übersetzen zu tun haben mag, lernt man Wertvolles, beispielsweise über Unternehmensstrukturen, Teamwork, Arbeitsabläufe und Zeitmanagement.

Wie hast du es geschafft, dir ein berufliches Netzwerk (zu Firmen, aber auch zu Kollegen) aufzubauen?

Das Netzwerken findet sowohl digital als auch lokal, beziehungsweise offline, statt. Ehemalige Kommilitonen, vor allem die, die sich wie man selbst in die Selbstständigkeit stürzen, sollte man sich warmhalten. Des Weiteren bietet der BDÜ hervorragende Möglichkeiten, um sich sowohl digital als auch offline mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Ebenso die Online-Netzwerke LinkedIn und Xing sollte man zu seinem Vorteil nutzen und ein ausführliches, aktuelles und professionelles Profil erstellen. Auf diesen Plattformen tummeln sich nicht nur Kollegen, sondern auch Unternehmensvertreter – also potenzielle Kunden.

Welchen Tipp hast du für die erfolgreiche Kundenakquise?

Ich möchte mich für den Werbebrief einsetzen. Es handelt sich meines Wissens um die einzige legale Möglichkeit der Kaltakquise. Jemanden zu Werbezwecken anzurufen oder anzutexten, gilt als rechtswidrig. Die Erstellung eines Werbebriefs braucht Zeit und eventuell benötigt man externe Unterstützung bei der gestalterischen oder inhaltlichen Ausarbeitung, dennoch bin ich der Meinung, dass es sich lohnt. Im Werbebrief geht es darum, seine Kompetenzen zu bewerben und dabei stets den Kundennutzen im Fokus zu haben. Tipps zur Erstellung eines Werbebriefs findet man zur Genüge. Man darf nicht mit unmittelbaren Rückmeldungen rechnen. Auch hier ist Geduld und Durchhaltevermögen gefragt. Erstellt man den Brief selbst, hält sich die finanzielle Investition im bezahlbaren Rahmen – und wenn es tatsächlich zu einem Auftrag kommt, hat man die Investitionskosten wieder eingefahren und einen Gewinn erzielt.

Welche Bücher und/oder Veranstaltungen kannst du empfehlen?

Zunächst möchte ich beteuern, dass ich für die nachfolgende Aussage kein Geld von Miriam erhalten habe. Tatsächlich half mir ihr „Überleben als Übersetzer“ enorm bei der Beantwortung meiner ersten Fragen zum Thema Selbstständigkeit. Des Weiteren gibt es empfehlenswerte Ratgeber des BDÜ, unter anderem zu den Themen Berufseinstieg, best practices, Marketing und Steuern. Als Student in Germersheim nutzte ich die Universitätsbibliothek, um kostenlos einen Blick in die BDÜ-Ratgeber zu werfen und mir Wichtiges zu notieren. Ebenso von der Hochschule angebotene Kurse (in meinem Fall hießen sie „Professionalisierung“ oder „Grundlagen der Berufspraxis“) sollte man tunlichst wahrnehmen. Der BDÜ bietet lohnenswerte Seminare und Webinare zu diversen Themen an, in regelmäßigen Abständen sind auch Veranstaltungen speziell für Einsteiger dabei. Man sollte sich auch als Küken zu den BDÜ-Stammtischen, die in zahlreichen Städten stattfinden, trauen, um den erfahrenen Kollegen zu lauschen und Antworten auf seine Fragen zu finden.

Interview-Reihe!

Am Dienstag, den 07.01.2020 startet sie, die Interview-Reihe mit mehreren etablierten Übersetzern. Diese wurden gebeten, die folgenden Fragen zu beantworten (wobei sie welche auslassen konnten):

  • Wie kamst du auf die Idee, Übersetzerin zu werden?
  • Wie hast du deine Spezialisierung gefunden und wie hast du dich dann in diesem Fachbereich spezialisiert?
  • Wie kamst du an deinen allerersten Auftrag?
  • Arbeitest du vorwiegend mit Agenturen oder mit Direktkunden und hat sich das im Lauf der Zeit geändert?
  • Was liebst du an deinem Job am meisten?
  • Was hasst du an deinem Job am meisten?
  • Was war dein bisher schönstes Übersetzungsprojekt?
  • Welchen Tipp würdest du anfangenden Kolleginnen geben?
  • Wie hast du es geschafft, dir ein berufliches Netzwerk (zu Firmen, aber auch zu Kollegen) aufzubauen?
  • Welchen Tipp hast du für die erfolgreiche Kundenakquise?
  • Was würdest du an deiner Ausbildung/an deinem Werdegang heute anders machen, wenn du könntest?
  • Was war deine bisher beste Anschaffung?
  • Wie hältst du dich auch als alter Hase auf dem Laufenden?
  • Welche Bücher und/oder Veranstaltungen kannst du empfehlen?

Jeden Dienstag wird ein neues Interview veröffentlicht, bis mir die Übersetzer ausgehen :-) Ich hoffe, die Antworten werden für viele Leser hilfreich sein!

Ein CV ist kein Lebenslauf!

Kürzlich habe ich mal wieder für ein Projekt Übersetzer gesucht, sowohl über Facebook als auch ProZ. Obwohl ich  nicht nach einem CV gefragt habe, habe ich natürlich einige bekommen. Und manche davon waren … suboptimal.

Der grundsätzliche Fehler ist immer, davon auszugehen, ein CV wäre ein Lebenslauf, wie ihn Arbeitnehmer bei einer Bewerbung einsetzen.

Fehler Nr. 1: Geburtsdatum, Geburtsort, Familienstand

Solche Angaben interessieren wirklich absolut keinen Auftraggeber und auch keine Agentur. Als Freiberufler ist es völlig schnuppe, ob Sie verheiratet sind, Kinder haben, welche Nationalität Sie haben usw.

Fehler Nr. 2: Lückenlose, tabellarische Form

Auch Lücken in Ihrem CV interessieren Auftraggeber herzlich wenig. Geben Sie um Himmels willen nicht an, zwischendurch als Tagesmutter oder Bauarbeiter gearbeitet zu haben! Das ist für Ihre übersetzerische Tätigkeit vollkommen irrelevant.

Fehler Nr. 3: Selbstverständlichkeiten

Klar sollte Ihr CV enthalten, mit welchen Programmen Sie sich auskennen: Studio, MemoQ, InDesign usw. Solche Kenntnisse sind durchaus relevant. Aber geben Sie nicht an, mit Microsoft Word, Excel usw. zu arbeiten! Herrje, das kann nun wirklich jeder. Sie geben ja auch nicht an, dass Sie tippen können, oder?

Wie muss ein CV einer freiberuflichen Übersetzerin dann aussehen?

Ein CV ist im Grunde ein Ersatz für eine Website – nur eben in kompakter Form und als PDF. Auf ein CV gehören somit exakt die Informationen, die Sie auch auf einer Website veröffentlichen würden, und das sind nur solche, die auch wirklich mit dem Übersetzen zu tun haben – zusammengefasst auf einer, maximal zwei Seiten.

Folgende Informationen sind relevant:

Persönliche Daten:

  • Name
  • Titel (Diplom-Übersetzerin)
  • Adresse
  • E-Mail-Adresse
  • Telefonnummer
  • Website

Fachgebiete:

Hier listen Sie Ihre Fachgebiete auf, sowohl allgemein als auch speziell: z. B. Medizin: Pharma, Augenkrankheiten.

Berufserfahrung:

Wichtige Projekte, an denen Sie gearbeitet haben, z. B. Jahresbilanz eines großen Unternehmens, 40.000 Wörter.

Veröffentlichungen, z. B. Buch über das Erstellen von Bilanzen. Sortiert nach Fachgebieten!

Qualifikationen

  • Daten Ihrer Ausbildung zur Übersetzerin
  • Daten Ihrer Ausbildung in einem Beruf des Fachgebiets, in dem Sie arbeiten (z. B. Krankenschwesterlehre, wenn Sie als Medizin-Übersetzerin arbeiten)
  • Angestelltentätigkeit in einem Beruf, der für Ihr Fachgebiet relevant ist
  • abgeschlossene Seminare zu relevanten Themen

Von neu nach alt sortiert.

Mitgliedschaften

BDÜ, ATA, was auch immer. Zeigt Engagement für den Beruf und ist bei Verbänden, in die nicht jeder reinkommt, auch eine Qualifikation.

Leistungen

Was bieten Sie an? Übersetzen, Dolmetschen, Korrekturlesen, Texten. Es ist Geschmacksache, aber ich persönlich würde hier auch Preisangaben machen. Irgendwann werden Sie sowieso danach gefragt, und warum dann diese Information nicht gleich zur Verfügung stellen?

Technische Austattung

CAT-Tools und andere relevante Programme, mit denen Sie arbeiten. Nennen Sie hier bitte nicht das Office-Paket, sondern besondere Programme, wie z. B. InDesign.

Das Ganze in Ihren Arbeitssprachen sowie auf Englisch. Und immer Korrektur lesen lassen! Dann wird das auch was mit den Aufträgen.

Dieser Artikel findet sich ausführlicher im Buch und eine ganz hervorragende und sehr ausführliche Anleitung zur Erstellung eines CVs gibt es von Martha Stelmaszak (auf Englisch) unter http://wantwords.co.uk/school/wp-content/uploads/2013/07/You-need-a-CV-that-works.pdf.