Alle Beiträge von Miriam Neidhardt

Kein Versand in EU-Länder mehr

Ich bin genervt. Aber richtig. Seit 2012 versteuere ich natürlich brav alle Einnahmen aus dem Verkauf von „Überleben als Übersetzer“ in jeglichen Versionen, und erst dieses Jahr musste ich akzeptieren, dass ich für diesen Mini-Onlineshop ein Gewerbe anmelden muss. Also habe ich das getan. Das zog natürlich einen Rattenschwanz nach sich: So habe ich mich als Freiberufler vom MOSS-Verfahren abgemeldet und wollte mich als Gewerbe wieder anmelden. Dafür brauche ich eine USt-IDNr. für mein Gewerbe – offensichtlich hatte ich das Kreuz bei der Anmeldung meines Gewerbes beim Finanzamt vergessen. Also wollte ich die USt-IDNr. eben beim Bundeszentralamt für Steuern beantragen, was jedoch in meinem Fall nicht online ging, weil denen meine Meldung vom Finanzamt – nach drei Monaten – noch nicht vorliegt. Also habe ich selbige Meldung kopiert und mitsamt dem Antrag per Post eingeschickt. Und bekam nun die Antwort, dass ich mich erst beim Finanzamt anmelden müsse, denn dem Bundeszentralamt läge noch nichts vor.

AAAHHHHHH!!!!!!!!!

Und jetzt habe ich die Schnauze voll. Über diesen Shop kann nunmehr nur noch aus Deutschland bestellen. Wenn ihr außerhalb von Deutschland sitzt und gern das Taschenbuch oder ein E-Book hättet, müsstet ihr mich persönlich kontaktieren – wenn ich die Bücher außerhalb des Shops verkaufe, zählt das wohl nicht als Gewerbe. Oh, ich versteh’s doch auch nicht. E-Books könnt ihr aus einem EU-Land dann immer noch nicht kaufen, weil mir das mit dem MOSS wirklich zu dämlich ist und wegen der Ämterblödheit zurzeit sowieso nicht funktioniert.

Und weil ich so genervt bin, spiele ich mit dem Gedanken, den Shop komplett einzustellen – allerdings wäre das jetzt, wo ich alles beim Finanzamt und der IHK und so angemeldet habe, vermutlich komplizierter, als es einfach laufen zu lassen 😊 Zumindest, so lange ich noch Bücher hier habe.

Übrigens steht auf allen Rechnungen aller Käufer von diesem Jahr die falsche Steuernummer, nämlich die von mir als Freiberufler und nicht die von meinem Gewerbe. Sollte das jemanden stören, ändere ich die Rechnung eben. Bis dahin ist auch das mir gerade echt egal.

Es wird einem wirklich nicht einfach gemacht, in diesem Land etwas auf die Beine zu stellen. Wär ich mal einfach dumm geblieben und hätte einfach alles weiter als Freiberufler laufen lassen!

 

Mitsommernachtsgeschenk!

Heute ist Mittsommernacht! Der längste Tag des Jahres! Außerdem hat Ilona Geburtstag! Wenn das keine Gründe zum Feiern sind.

Vielleicht erinnert ihr euch noch an den 26.06.2013, den ersten Buchgeburtstag der ersten Auflage? Damals gab es die PDF-Version von „Überleben als Übersetzer“ einen Tag für lau. 24 Stunden lang. Von Mitternacht bis Mitternacht.

Und da das ein Riesenerfolg war, machen wir das doch einfach noch mal! Da ich nicht wieder zweimal hintereinander bis Mitternacht wach bleiben möchte, diesmal allerdings von Mittag bis Mittag :-) Was soll ich sagen, ich werd halt alt.

Also heute! Um Punkt 12 Uhr deutsche Zeit! Nur die PDF-Version! Für lau! Einfach so! Bis morgen um 12 Uhr! Es werden keine E-Mail-Adressen gesammelt und ihr müsst nicht durch den Bestellvorgang im Shop. Einfach auf den Link klicken, der um 12 Uhr erscheint, und schon öffnet sich „Überleben als Übersetzer“ in eurem Browser und ihr könnt das Werk auf eurer Festplatte speichern.

Das war’s! Link ist weg! Ich wünsche allen 1824 Personen, die das Buch als PDF heruntergeladen haben, viel Spaß beim Lesen! Und freue mich natürlich immer über (gute) Rezensionen bei Amazon … ;-)

Ilona schreibt wirklich nette Sachen zur Aktion: https://ilori-translations.com/2018/06/21/ueberleben-als-uebersetzer/

Und Iva auch: https://dolmetschbar.de/2018/06/erfolgreich-mit-kleinen-sprachen/

Und Kerstin! https://pbcat.blog/2018/06/21/mitsommernachtsgeschenk-pdf-version-von-ueberleben-als-uebersetzer-24-stunden-kostenlos/

 

Brauche ich eine Website?

Unlängst wurde in der ProZ-Facebookgruppe gefragt, ob man denn eine Website bräuchte. Interessant waren die Antworten, denn die meisten verneinten klar. Natürlich hatten alle, die antworteten, man bräuchte keine Website auch keine Website. Und konnten insofern gar nicht beurteilen, wie viele Aufträge sie mehr hätten, wenn sie eine Website hätten. Oder wie viel bessere Aufträge. Erschüttert war ich, als tatsächlich behauptet wurde, ein Übersetzer mit einer tollen Website könne kein guter Übersetzer sein, denn wenn er die Zeit hat, eine tolle Website zu erstellen, kann er ja nicht viele Aufträge haben. So viel – sorry – Dummheit hat mich dann doch verblüfft.

Ich habe mir deshalb mal die Mühe gemacht, durchzuzählen, wie viele Anfragen ich im Januar 2018 über meine Website bekommen habe. Nur von Direktkunden, denn Agenturen gucken selten nach Websites, und natürlich ist meine Website suchmaschinenoptimiert – ohne SEO bringt ein Internetauftritt tatsächlich nichts.

Im Januar habe ich insgesamt 24 Anfragen von Neukunden erhalten – also rund eine pro Tag. 12 davon kamen von Privatkunden, die eine Urkundenübersetzung brauchten. Wir lernen daraus: Wenn Sie beglaubigte Übersetzungen anbieten, brauchen Sie eine Website, die in Ihrem Wohnort gefunden wird – dann bringt das auch was. 5 Anfragen kamen im Januar 18 von Privatkunden, die eine unbeglaubigte Übersetzung brauchten – Lebensläufe, Studienarbeiten, Bücher und so. 7 Anfragen kamen von Unternehmen.

Viele dieser Anfragen habe ich abgelehnt (falsche Sprachrichtung, falsches Fachgebiet, kein Bock, was auch immer – ich bin echt wählerisch), manche meiner Angebote wurden nicht angenommen, aber insgesamt habe ich durch diese Anfragen, die allein über meine suchmaschinenoptimierte Website kamen, im Januar einen Umsatz in Höhe von 350 Euro generiert. Und Januar ist jedes Jahr mein schlechtester Monat.

Im Februar 18 waren es 7 Anfragen nach Urkundenübersetzungen, 5 andere Anfragen von Privatkunden und 9 Anfragen von Unternehmen – insgesamt 21, aber der Februar ist ja auch ein recht kurzer Monat. Aus diesen 21 Anfragen ist nur ein Auftrag geworden, der jedoch in Höhe von 1.000 Euro.

Nicht eingerechnet sind die Aufträge von Kunden, die mich vor diesem Jahr über meine Website gefunden haben und mit Folgeaufträgen kamen. Und hinzu kommen natürlich auch Aufträge von Agenturen, die ich auch ohne Website bekommen hätte. Aber auch so dürfte klar sein: Ja, Sie brauchen eine Website, wenn Sie nicht ausschließlich für Agenturen arbeiten möchten, und diese Website muss suchmaschinenoptimiert sein. Das kostet, aber die Ausgaben kommen auch wieder rein.

Beweisführung geschlossen.

Forderungsmanagement

Da die Frage, was zu tun ist, wenn er Kunde nicht zahlt, in Übersetzergruppen immer wieder gestellt wird, hier eine Zusammenfassung des entsprechenden Kapitels aus dem Buch „Überleben als Übersetzer“:

Zunächst muss unterschieden werden zwischen Privat- und Geschäftskunden.

Privatkunden

Grundsätzlich ist bei Privatkunden Vorkasse angebracht. Das hat wenig mit erhöhtem Misstrauen zu tun, sondern mehr mit der Tatsache, dass uns bei Privatkunden die Hände gebunden sind, was die Möglichkeiten der Geldeintreibung angeht. Insbesondere ist dies bei Übersetzungen von Urkunden der Fall, die womöglich benötigt werden, damit der Kunde ins Ausland ziehen kann − und weg ist er. Leider betrachten es manche auch als Kavaliersdelikt, ihre Rechnung nicht zu bezahlen, in der Annahme, ihnen könne nichts passieren; was bis zu einem gewissen Punkt leider auch zutrifft.

Damit Sie einen Kunden überhaupt anmahnen können, muss er im Zahlungsverzug sein. Das ist er in der Regel 30 Tage nach Rechnungsdatum, sofern Sie auf Ihrer Rechnung keine andere Frist angegeben haben. Diese Tatsache muss bei Privatkunden explizit auf der Rechnung stehen!

„Der Rechnungsbetrag ist sofort fällig. 30 Tage nach Rechnungsdatum tritt nach den gesetzlichen Vorschriften (§286 Abs. 3 BGB) Verzug ohne Mahnung ein. Ab dann fallen für Sie gesetzliche Verzugszinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem jeweiligen Basiszinssatz jährlich an.“

Sind diese 30 Tage verstrichen, müssen Sie nicht mahnen − sollten es aber, denn manchmal kommt es tatsächlich vor, dass man eine Rechnung schlicht vergisst. Formulieren Sie die erste Zahlungserinnerung deshalb freundlich und nennen Sie sie noch nicht Mahnung:

„Sicherlich ist es in der Hektik des Alltags übersehen worden, dass die Rechnung vom xx.xx.xxxx noch nicht beglichen ist. Deshalb möchte ich Sie heute an deren Ausgleich erinnern und bitte um kurzfristige Erledigung bis zum xx.xx.xxxx. Sollten Sie zwischenzeitlich die Zahlung schon geleistet haben, bitte ich, dieses Schreiben als gegenstandslos zu betrachten.“

Fruchtet das nicht, ist ein Anruf ein recht probates Mittel: E-Mails kann man leicht ignorieren, Briefe ebenso, aber ist der Gläubiger einmal in der Leitung, muss sich der Schuldner ja äußern. Vielen ist der Anruf so peinlich, dass sie ihre Außenstände begleichen.

Hilft das immer noch nicht, wird es Zeit für eine Mahnung, die Sie auch genau so nennen. Darin setzen Sie eine Zahlungsfrist und drohen die Beantragung eines gerichtlichen Mahnbescheids an. Schreiben Sie nicht nur „rechtliche Schritte einleiten“, sondern wirklich „gerichtlicher Mahnbescheid“, damit der Kunde merkt, dass Sie wissen, was Sie tun, und nicht nur leere Drohungen ausstoßen. Schlagen Sie Verzugszinsen drauf (auszurechnen unter www.zinsen-berechnen.de/verzugszinsrechner.php) sowie eine Mahngebühr in Höhe von 2,50−5 Euro (mehr ist leider nicht erlaubt) und machen Sie den Kunden darauf aufmerksam, dass der nächste Schritt teurer wird (ein gerichtlicher Mahnbescheid kostet mindestens 32 Euro).

Wenn das nichts bringt, sollten Sie sich spätestens jetzt bei www.vollstreckungsportal.de registrieren und abfragen, ob der Kunde womöglich bereits eine eidesstattliche Versicherung abgegeben hat, also pleite ist. Hat er keinen Eintrag, beantragen Sie den gerichtlichen Mahnbescheid unter www.online-mahnantrag.de. Widerspricht der Kunden diesem, bleibt Ihnen nur noch der Gang zum Gericht; reagiert er nicht, beantragen Sie einen Vollstreckungsbescheid und schicken ihm den Gerichtsvollzieher vorbei.

Hat der Kunde einen Eintrag im Schuldnerregister, können Sie zwar dennoch vor Gericht, werden auf den Kosten allerdings sitzenbleiben. Andererseits können Sie den Titel dreißig Jahre lang vollstrecken lassen und vielleicht wird der Kunde ja wieder flüssig. Das müssen Sie abwägen.

Eine effektivere Möglichkeit kann sein, denn Kunden wegen Betrugs anzuzeigen. Das geht dann, wenn er bereits insolvent war, als er Sie beauftragt hat und somit wusste, dass er Sie nicht bezahlen kann. Ich habe das einmal gemacht und die Kundin hat meine Rechnung vor Gericht beglichen − ansonsten hätte sie womöglich in den Knast gemusst. Darüber hinaus wurde ich als Zeugin vorgeladen, bekam den Trip von Oldenburg nach Köln bezahlt und außerdem einen Verdienstausfall in Höhe von 17 Euro pro Stunde (mittlerweile sind es wohl 21).

Unternehmenskunden

Bei Unternehmenskunden haben wir etwas mehr Spielraum. Es fängt damit an, dass auf die Folgen des Verzugs nicht gesondert hingewiesen werden muss und die Verzugszinsen 9 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz liegen und nicht nur 5 wie bei Privatkunden.

Ansonsten ist die Vorgehensweise erstmal gleich wie bei Privatkunden: erinnern, anrufen, mahnen. Auch hier müssen Sie diese drei Schritte nicht durchführen, sollten es aber.

Bei einer Mahnung an Unternehmenskunden dürfen und sollten Sie neben den Verzugszinsen eine Mahnpauschale in Höhe von 40 Euro aufschlagen (Mahngebühren und Verzugszinsen sind immer umsatzsteuerfrei). Diese Mahnung sollten Sie per Post versenden, noch besser per Einschreiben.

Wenn das nicht fruchtet, ist die Vorgehensweise wie oben: Solvenz überprüfen, gerichtlichen Mahnbescheid beantragen, eventuell klagen.

Alternatives Forderungsmanagement

Folgende alternative Maßnahmen dürfen Sie nur bei Geschäftskunden anwenden, nicht bei Privatkunden:

Verpetzen: Zweimal habe ich, als meine Kontaktperson so gar nicht auf meine Zahlungserinnerung reagierte, an die E-Mail-Adresse auf der Website des Unternehmens geschrieben (noch viel besser ist es, wenn explizit eine der Geschäftsleitung angegeben ist) und die Situation geschildert. Ganz freundlich um Hilfe gebeten, weil die Person nicht reagiert. In beiden Fällen wurde die Rechnung umgehend kommentarlos beglichen.

Öffentlich machen: Mehrmals hatte ich Erfolg, indem ich das Zahlungsversäumnis öffentlich gemacht habe. Mal habe ich (sachlich!) in meinem Blog berichtet, was passiert war, mal auf der Facebook-Seite des Unternehmens einen für alle sichtbaren Kommentar hinterlassen, einmal hat sogar ein Tweet gereicht.  Wichtig ist, dass Sie sachlich bleiben und nur belegbare Tatsachen anführen.

Kunden im Ausland

Hier fehlt mir leider − oder zum Glück! − nach wie vor die persönliche Erfahrung. Innerhalb der EU können Sie einen europäischen Mahnbescheid beantragen, Infos finden Sie hier: https://e-justice.europa.eu/content_order_for_payment_procedures-41-de.do . Ich bin bisher nur so weit gekommen, dass ich den Antrag an den „Small Claims Court“ in Großbritannien ausgefüllt habe − abschicken musste ich ihn nicht, weil die Verpetzmethode funktioniert hat und die Rechnung kurz vor knapp doch noch beglichen wurde. Außerhalb der EU ist zumindest bei Neukunden Vorkasse anzuraten.

Bitte beachten Sie bei allen juristischen Ratschlägen, dass ich keine Anwältin bin und nur aus meinem Erfahrungsschatz berichte.

Wieder lieferbar!

Heute kam endlich eine neue Ladung druckfrischer Bücher an! Insofern können Bestellungen über den Shop oder Buchhandel wieder ausgeliefert werden.

Und das nächste Mal bestelle ich frühzeitiger Nachschub, versprochen ;-)