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Überleben als Übersetzer als PDF für lau!

Es ist mal wieder so weit: Die PDF-Version von „Überleben als Übersetzer“ gibt es für einen begrenzten Zeitraum für lau. Weil Ostern ist und wegen Corona und weil Amazon wohl ganz schön lange für die Auslieferung des Taschenbuchs braucht … Mal sehen, wann ich die Aktion beende, aber über Ostern läuft sie sicherlich!

Viel Spaß beim Lesen und bleibt gesund!

 

*** Die Aktion ist beendet!***

Interview-Reihe Teil 11: Jeannette Bauroth

Jeannette Bauroth ist staatlich geprüfte Übersetzerin und arbeitet als Übersetzerin für Unterhaltungsliteratur aus dem Englischen. Zu ihren aktuelleren Projekten zählen die Mitarbeit an der Übersetzung von EL James‘ „The Mister“ und dem Der-Teufel-trägt-Prada-Roman „Die Frauen von Greenwich“.

Neben ihrer freiberuflichen Tätigkeit für deutsche Verlage koordiniert Jeannette unter der Bezeichnung „Indie Translations“ Übersetzungen für englischsprachige Selfpublisher. Außerdem gehört ihr seit einem knappen Jahr ein kleiner, aber feiner Verlag, der „Second Chances Verlag“. Entstanden ist der aus der Idee von einem „Verlag der Übersetzer“ – Wunschprojekte, die bei anderen Verlagen kein Zuhause gefunden haben oder Serienfortsetzungen, die in ihrem ursprünglichen deutschen Verlag nicht mehr erscheinen.

Ergänzend dazu arbeitet Jeannette einmal im Jahr als Übersetzerin beim Biathlon-Weltcup in Oberhof und als freiberufliche Übersetzerin für die UEFA.

Wie kamst du auf die Idee, Übersetzerin zu werden?

Dolmetscherin oder Übersetzerin wollte ich eigentlich schon immer werden. Nach dem Abitur habe ich allerdings erst eine Ausbildung als Physiotherapeutin gemacht und auch acht Jahre lang in dem Beruf gearbeitet. Berufsbegleitend habe ich ein Fernstudium zur Übersetzerin an der AKAD absolviert. Und dann war der richtige Zeitpunkt für den Berufswechsel irgendwann da: Ich stand kurz vor der Abschlussprüfung, war mit meinem zweiten Kind schwanger und wusste, mit zwei kleinen Kindern wird der Berufsalltag als Mannschaftsphysiotherapeutin in der Volleyball-Bundesliga schwierig. Also habe ich meinen Saisonvertrag nicht verlängert, den Sprung in die Freiberuflichkeit gewagt und diesen Schritt auch nie bereut.

Wie hast du deine Spezialisierung gefunden und wie hast du dich dann in diesem Fachbereich spezialisiert?

Für mich lag die Spezialisierung auf der Hand, da ich ja aus dem Bereich der Sportmedizin kam. Also habe ich anfangs überwiegend medizinische Übersetzungen übernommen. Irgendwann kamen auch sportmedizinische Sachbücher dazu, und von da habe ich dann über viele Weiterbildungen den Sprung in die Unterhaltungsliteratur geschafft.

Arbeitest du vorwiegend mit Agenturen oder mit Direktkunden und hat sich das im Lauf der Zeit geändert?

Anfangs habe ich viel mit Agenturen gearbeitet, inzwischen arbeite ich hauptsächlich mit Direktkunden. Direktkunden heißt in meinem Fall – Verlage, Autoren, Sportinstitutionen.

Was liebst du an deinem Job am meisten?

Die Flexibilität und die Abwechslung. Mein Arbeitsalltag erlaubt mir eine gewisse zeitliche Flexibilität innerhalb der Projektzeiträume. Bei Büchern beträgt die Bearbeitungszeit mehrere Wochen, da ist es nicht dramatisch, wenn ich aus privaten Gründen mal einen Tag freinehme. Natürlich muss ich das entsprechende Arbeitspensum dann anderweitig nachholen, aber hier drängen keine sehr eiligen Termine.

Darüber hinaus gefällt mir sehr, dass wir uns als Übersetzer praktisch ständig neu erfinden können, indem wir unsere Spezialisierung wechseln oder einfach andere Arbeitsmodelle ausprobieren, wie man ja auch an meinem Beispiel sieht.

Was war dein bisher schönstes Übersetzungsprojekt?

Wenn ich „Übersetzungsprojekt“ ein wenig weiter auslegen darf, dann ist das eindeutig der Aufbau meines eigenen Verlags. Die letzten Monate waren sehr, sehr anstrengend, aber es erfüllt mich mit sehr viel Stolz und Freude, jetzt die Früchte dieser Arbeit zu sehen. Mit Projektmanagement kannte ich mich ja schon gut aus, aber ich musste natürlich auch einen Crashkurs in Verlagsbetriebswirtschaft und Lizenzrecht absolvieren, und das alles neben dem normalen Tagesgeschäft. Ich freue mich sehr über das tolle Freiberuflerteam, das mich unterstützt, und weiß jeden Einzelnen davon sehr zu schätzen.

Welchen Tipp würdest du anfangenden Kolleginnen geben?

Fragt, fragt, fragt. Stellt alle Fragen, die euch auf den Nägeln brennen. Wenn mir während der vergangenen Monate nicht so viele Menschen bereitwillig Auskunft zu allen möglichen Themen gegeben hätten, wäre ich längst noch nicht so weit. Niemand muss das Rad neu erfinden, und es bringt auch eine Menge Karmapunkte, wenn ihr euer Wissen teilt.

Und hier noch ein Tipp, der nicht nur für neue Kolleginnen gilt: Seid nett zueinander. Immer mal wieder bin ich sehr verblüfft über den teilweise doch recht rauen Umgangston, der in der Branche herrscht. Das muss doch nicht sein. Ich bekomme manchmal Bewerbungen, bei denen mich schon die ersten Sätze so abstoßen, dass ich gar nicht weiterlese. Ich gestatte mir auch den Luxus, nicht mit Kollegen und Kolleginnen zusammenzuarbeiten, wenn sie sich als nicht teamfähig erweisen oder mir einfach der Umgangston sauer aufstößt. Wir verbringen einen Großteil unseres Lebens bei der Arbeit, da möchte ich mich mit netten Menschen umgeben.

Wie hast du es geschafft, dir ein berufliches Netzwerk (zu Firmen, aber auch zu Kollegen) aufzubauen?

Durch Präsenz – ich bilde mich einfach wahnsinnig gern weiter und lerne dadurch ständig neue Menschen kennen. Man kann aber auch online Präsenz zeigen, wenn man nicht so der „Konferenztyp“ ist und sich mit anderen virtuell austauschen. Sucht man einmal für ein Projekt Kollegen, fallen einem natürlich immer diejenigen zuerst ein, mit denen man auch sonst einen regen Austausch pflegt.

Welchen Tipp hast du für die erfolgreiche Kundenakquise?

Da gilt für mich seit Jahren ein Satz, den ich einmal von Chris Durban gehört habe: Hang out where your clients hang out. Generell liegt mir persönlicher Kontakt einfach mehr als stundenlanges E-Mail-Schreiben. Ich besuche viele Konferenzen, bilde mich weiter, baue mein Netzwerk aus und lerne potenzielle Kunden und Kollegen kennen. Das hat sich für mich sehr bewährt.

Und ansonsten – erzählt den Leuten, was ihr beruflich tut und haltet Augen und Ohren offen. Häufig ergeben sich tolle Projekte aus ganz zufälligen Kontakten.

Wie hältst du dich auch als alter Hase auf dem Laufenden?

Wie bereits erwähnt besuche ich viele Konferenzen, auch solche, die sich gar nicht primär an Übersetzer richten, sondern an Autoren. Bisher habe ich noch überall etwas dazugelernt. Ich lese viel, sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch. Ich finde es wichtig zu sehen, wohin sich unsere Sprache entwickelt, wie es „die anderen machen“.

Welche Bücher und/oder Veranstaltungen kannst du empfehlen?

Für Literaturübersetzer empfehle ich die Jahrestagung in Wolfenbüttel. Neben dem Auffrischen und Knüpfen von Kontakten kann man dort auch viel Wissenswertes aus den Workshops mitnehmen. Auch die zahlreichen Weiterbildungen des BDÜ sind eine tolle Möglichkeit, das eigene Wissen aufzupolieren und gleichzeitig das eigene Netzwerk zu erweitern.

Interview-Reihe Teil 10: Iva Wolter

Iva Wolter ist Diplom-Übersetzerin und beeidigte Dolmetscherin für die tschechische und polnische Sprache. Die gebürtige Pragerin hat an den Universitäten Leipzig und Warschau Übersetzen und Deutsch als Fremdsprache studiert sowie an der Juristischen Fakultät der Karls-Universität in Prag ein Aufbaustudium für Gerichtsdolmetscher*innen und -übersetzer*innen absolviert. Anschließend machte sie sich als Übersetzerin, Dolmetscherin sowie Sprachdozentin für Tschechisch und Polnisch selbstständig und wurde für diese Sprachen beeidigt. Derzeit lebt und arbeitet sie als freiberufliche Übersetzerin und Dolmetscherin in Berlin. Unter dem Namen Dolmetschbar | Übersetzungs- und Dolmetschservice Iva Wolter (www.dolmetschbar.de) ist sie für Rechtsanwaltskanzleien, Staatsanwaltschaften, Behörden, Gerichte, Privatpersonen sowie kleine und mittelständische Unternehmen aus Deutschland, Tschechien und Polen tätig und unterstützt diese bei ihrer Kommunikation mit internationalen Geschäftspartnern, Kunden und Mandanten. Im Jahr 2019 wurde sie vom Staatlichen Prüfungsamt für Übersetzerinnen und Übersetzer in Berlin zur Fachprüferin berufen.

Arbeitest du vorwiegend mit Agenturen oder mit Direktkunden und hat sich das im Lauf der Zeit geändert?

Angefangen habe ich – wie vermutlich viele andere Kolleginnen und Kollegen auch – mit Übersetzungsaufträgen von Agenturen. Ich habe mich bei vielen Übersetzungsbüros als externe Mitarbeiterin beworben und mich auf verschiedenen Plattformen für Übersetzer*innen angemeldet. Die ersten Aufträge von Agenturen, Privatkunden und ehemaligen Uni-Dozent*innen kamen und ich ließ mir meine erste Website damals noch unter dem Namen imSPRACHEN erstellen. Ich habe mich fortgebildet, verschiedene Marketingmaßnahmen getestet und „mein Unternehmen“ kontinuierlich aufgebaut. Mit der Zeit habe ich gelernt, die „guten“ Übersetzungsagenturen von den bloßen Umtütern zu unterscheiden. Der Kundenstamm wuchs und die ersten Stammkunden kamen mit Folgeaufträgen wieder.

Dank meiner sicherlich auch mühevollen Arbeit an meiner „Marke“ bin ich inzwischen auf die schlechter bezahlten Aufträgen von Übersetzungsbüros nicht mehr angewiesen. Mittlerweile arbeite ich seit Jahren nur noch mit einer Übersetzungsagentur aus Liechtenstein erfolgreich zusammen und schätze an dieser Kooperation die regelmäßigen Aufträge, die Wertschätzung meiner Arbeit und die praktisch sofortige Bezahlung meiner Rechnungen.

Was liebst du an deinem Job am meisten?

Die Vielfältigkeit. Die Themenbreite, die ich gerade als Übersetzerin „kleiner“ Sprachen noch mehr genießen kann, als es beispielsweise bei Englisch-Übersetzer*innen mit enger Spezialisierung auf ein konkretes Fachgebiet der Fall ist. Die Kombination des Übersetzens mit dem Dolmetschen steigert dieses Potenzial noch zusätzlich. Für mich persönlich ist es die ideale Verbindung zwischen der gründlichen Analyse des geschriebenen Wortes und dem präzisen Feilen an Texten bis zum letzten Schliff gegenüber der etwas freieren Interpretation des gesprochenen Wortes, bei der es auf die schnelle Erfassung der geäußerten Gedanken ankommt. Diese beiden teilweise sehr unterschiedlichen Arbeitsweisen inspirieren mich sehr und ich profitiere von deren gegenseitiger positiver Beeinflussung.

Außerdem schätze ich den direkten Kontakt zu meinen Kunden und das unmittelbare Feedback, das ich eher bei der mündlichen Kommunikation erhalte. Am Übersetzen wiederum mag ich die Möglichkeiten der Flexibilität meiner Arbeitsweise, die mir meistens eine freie Planung meines Arbeitstages ermöglicht. So ist auch eine unkonventionelle Gestaltung des Alltags mit diesem Beruf kompatibel. Damit verbunden ist für mich der Vorteil einer selbstständigen Tätigkeit, die für mich persönlich die perfekte berufliche Lebensweise darstellt.

Diese Abwechslung der zu übersetzenden Themen und der zu dolmetschenden Inhalte macht meinen Beruf einzigartig. Mit jedem neuen Auftrag lerne ich etwas Neues dazu und erhalte die Chance, über den Tellerrand hinaus zu schauen.

Was hasst du an deinem Job am meisten?

Wirklich hassen tue ich eigentlich nichts. Ich finde es nur schade, dass unser Beruf so eine geringe Wertschätzung in der öffentlichen Wahrnehmung genießt. Dies macht sich leider auch bei den Preisen bemerkbar, wenn beispielsweise ausgerechnet Literaturübersetzer*innen, die noch am ehesten eine positive Bewertung erfahren, für ihre so wahnsinnig verantwortungsvolle Tätigkeit so niedrige Honorare erhalten. Kritisieren möchte ich an dieser Stelle auch Übersetzer*innen und Dolmetscher*innen, die sich unter Wert verkaufen, sich nicht darüber informieren, welche Preise auf dem Markt üblich sind und somit die Honorare nach unten drücken. Und damit meine ich ausdrücklich nicht die Laienübersetzer*innen oder Berufsanfänger*innen, sondern erfahrene Sprachmittler*innen, die ihre gute Übersetzungsleistung zu billig anbieten.

Was war dein bisher schönstes Übersetzungsprojekt?

Ich kann jetzt eigentlich kein konkretes Übersetzungsprojekt nennen. Es gibt so viele spannende Texte, an denen ich als Übersetzerin mitgewirkt habe. Am schönsten finde ich die Aufträge, bei denen ich direkt merke, wie ich mit meiner Übersetzungsleistung dem Kunden geholfen habe, wie er dank meiner Arbeit etwas erreichen konnte. Beim Dolmetschen gibt es eher ein direktes Feedback. Ich merke sofort, ob die Kommunikation gelungen ist. Das ist auch einer der Gründe, warum ich gerne dolmetsche.

Welchen Tipp würdest du anfangenden Kolleginnen geben?

Nutze die anfangs eher ruhige Phase für den Aufbau deines Unternehmens. Ja, auch wir freiberufliche Übersetzer*innen und Dolmetscher*innen sind Unternehmer*innen und müssen zunächst unsere Marke entwickeln. Diese Marke sind wir selbst. Am Anfang unserer beruflichen Karriere haben wir noch Phasen, in denen wir noch nicht voll mit Aufträgen ausgelastet sind. Statt zu verzweifeln und sich Sorgen wegen mangelnder Aufträge zu machen, kannst du dich weiter spezialisieren, dir unternehmerische Kompetenzen, die an den Universitäten eher weniger vermittelt werden, aneignen, an der Positionierung und Professionalisierung deines Unternehmens arbeiten, dich vernetzen.

Ich bin mittlerweile im 14. Jahr meiner Selbstständigkeit angekommen. Es war nicht immer leicht. Gerade Selbstständige müssen auch mit Rückschlägen rechnen und lernen, damit umzugehen. Es ist gut und wichtig, Existenzgründerseminare zu besuchen, verschiedene Ratgeber zu lesen und sich Ratschläge von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zu holen, doch am Ende muss man für sich selbst den eigenen Weg finden. Das Leistungsportfolio bei Freiberufler*innen muss zur eigenen Persönlichkeit passen. Nur so ist man glaubwürdig, hat Freude bei der Arbeit und wird langfristig Erfolge erzielen. Die sehr harte Arbeit an der eigenen Persönlichkeit und der eigenen Positionierung auf dem Markt wird häufig unterschätzt. Heutzutage reicht es jedoch nicht mehr, nur „gut“ zu übersetzen. Selbst wenn ich die besten Übersetzungen liefere, doch keiner weiß, dass es mich gibt, werde ich auch keine erfolgreiche Übersetzerin. Ich bin ein zielstrebiger Mensch und habe mich diesen Herausforderungen gerne gestellt.

Doch selbst wenn man es geschafft hat, bedeutet das nicht, stehen zu bleiben. Die Branche ist im stetigen Wandel, der Markt entwickelt sich weiter. Somit kann nur jemand, der seine berufliche Situation immer wieder hinterfragt und bereit ist, seine Pläne der aktuellen Marktsituation anzupassen, langfristig Erfolge erzielen. Für mich stellt dieser stetige Wandel genau den richtigen Antrieb dar, denn mit Veränderungen öffnen sich auch neue und zuvor vielleicht ungeahnte Möglichkeiten.

Welchen Tipp hast du für die erfolgreiche Kundenakquise?

Ich bin ein großer Verfechter der sog. Pull-Methode. Im Unterschied zur Push-Methode, dem aktiven Ansprechen von möglichen Interessenten zum Beispiel durch den Versand von Werbeschreiben, die Kaltakquise per Telefon oder die direkte Ansprache von Messebesuchern lässt man sich bei der Pull-Methode von potenziellen Kunden „finden“. Derartige Kundenansprache ist für freiberufliche Sprachmittler*innen im Rahmen eines langfristigen Konzepts zum Beispiel durch eine gut auffindbare Website, die aktive Nutzung von Social Media, das Verfassen von Blogartikeln etc. möglich. Ich persönlich halte gerade für Übersetzer*innen und Dolmetscher*innen kleiner Sprachen die Kombination verschiedener Arten des Pull-Marketings mit aktivem Networking und einer auf die eigene Person maßgeschneiderte Positionierung auf dem Markt für das erfolgversprechendste Akquisemodell. Mehr dazu gibt es in dem von mir verfassten Gastbeitrag „Erfolgreich mit kleinen Sprachen“ in Miriams Ratgeber „Überleben als Übersetzer“.

Wie hast du es geschafft, dich auf dem Markt zu behaupten, wenn du nur „kleine“ Sprachen übersetzt und zum Beispiel Englisch nicht zu deinen Arbeitssprachen gehört?

Ich habe es vor allem durch die zielstrebige Verfolgung der oben beschriebenen Akquisemaßnahmen und harter Arbeit an meiner Marke erreicht. Ein Markenzeichen ist auch meine Spezialisierung vor allem auf das Kernfachgebiet Recht.

Das Übersetzen von „kleinen“ Sprachen hat zudem auch riesige Vorteile: Die Konkurrenz ist nicht so groß, es ist einfacher, sich auf dem Markt als Profi zu etablieren, man wird leichter von potenziellen Kunden gefunden (siehe meine beliebte Pull-Methode als Marketingstrategie). Wenn man zusätzlich noch durch Spitzenqualität punktet, kunden- und serviceorientiert handelt sowie unternehmerisch denkt, ist der Erfolg auch bei „kleinen“ Sprachen garantiert.

Was war deine bisher beste Anschaffung?

 Das Tolle an unserem Beruf ist, dass wir gar nicht so viel investieren müssen, um als Übersetzer*innen zu starten. Im Prinzip geht es ganz minimalistisch: ein leistungsfähiger Computer und schnelles Internet. In meinen Augen gibt es vier Bereiche, wo eine Investition lohnenswert ist: 1. in Tools, die unsere Arbeit erleichtern wie CAT-Tools, elektronische Wörterbücher, OCR-Software, Spracherkennungssysteme u. a.; 2. in Fortbildungen (Weiterbildungsveranstaltungen, Fachkonferenzen, Webinare, Fachliteratur etc.); 3. in Marketing (eigene Website, professionell gestaltete Visitenkarten u .v. m.) und schließlich 4. in unsere Gesundheit in Form eines ergonomischen Arbeitsplatzes (Bürostuhl, mehrere Bildschirme, Maus, Tastatur usw.). Was den letzten Punkt betrifft, ist meine beste Anschaffung mein Hund Neo :-), ein Flat Coated Retriever, der mich tagtäglich zur Bewegung an der frischen Luft „zwingt“.

Interview-Reihe Teil 9: Erik Hansson

Erik Hansson ist gebürtiger Schwede und wohnt seit 1991 in Deutschland. Er ist professioneller Übersetzer für Deutsch ins Schwedische und spezialisiert auf technische Bereiche wie erneuerbare Energien, Automatisierung und Maschinenbau.

Eines seiner Steckenpferde ist es, die Professionalität in der Übersetzungsbranche zu stärken und das unternehmerische Bewusstsein unter freiberuflichen Kollegen zu unterstützen. Erik ist außerdem auch aktiv auf Twitter sowie Gründer der bekannten Facebook-Gruppe Things Translators Never Say, kurz TTNS, die mittlerweile über 14.000 Mitglieder zählt.

info@hansson.de | www.hansson.de

Wie kamst du auf die Idee, Übersetzer zu werden?

Der Weg ging nicht geradeaus, also muss ich erst etwas ausholen. Schon als Kind habe ich mich für fremde Länder, Sprache und Kulturen interessiert. Neben Englisch ab der 3. Klasse habe ich ab der 7. Klasse außerdem Deutsch als zweite Fremdsprache gelernt. Sprachen lernen fiel mir sowieso immer recht leicht. Da ich aber recht früh verstand, dass neben Sprachkenntnissen auch Fachwissen erforderlich ist, habe ich danach das technische Gymnasium mit Schwerpunkt auf Elektrotechnik besucht. Danach folgten Studien in Politologie, Statistik und VWL – also eher aus dem nicht-technischen Bereich.

In den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren bereiste ich Student ziemlich oft Ost- und Mitteleuropa. So lernte ich hier meine deutsche Freundin kennen und entschloss mich schließlich Anfang der 90er-Jahre von Schweden nach Deutschland zu ziehen.

Kurz nach meinem Umzug nach Deutschland begann ich mehr oder weniger zufällig als Englischlehrer bei verschiedenen privaten Bildungsträger. Es stellte sich heraus, kurz nach der deutschen Wiedervereinigung, dass es in den fünf neuen Ländern eine große Nachfrage nach Englischlehrern in Fort- und Weiterbildungskursen für Arbeitslose gab. Recht bald begann ich, mein Sprachdienstleistungsgeschäft aufzubauen, das sich auf verschiedene Sprachdienstleistungen konzentrierte und Schulungen, Übersetzungen und Dolmetschleistungen umfasste. Schon nach ein paar Jahren hatte ich immer mehr Übersetzungsaufträge, sodass ich Ende der Neunzigerjahre beschloss, den Unterrichtssektor mehr oder weniger zu verlassen und mich ganz auf das Übersetzen zu konzentrieren. Ich bin also der klassische Seiteneinsteiger in der Übersetzerbranche.

Heute übersetze ich hauptsächlich technische Texte aus den Bereichen Maschinenbau, Anlagenbau und erneuerbare Energien.

Wie hast du deine Spezialisierung gefunden und wie hast du dich dann in diesem Fachbereich spezialisiert?

Wie bei vielen Kollegen ergab sich meine Spezialisierung eher durch Zufall. Zu meinen ersten Kunden gehörten verschiedene Hersteller von Werkzeugmaschinen, die ihre Produkte nach Schweden exportieren. Durch meine technische Ausbildung war mir dieser Fachbereich mit Metallverarbeitung nicht ganz fremd, und so konnte ich nach und nach mein Wissen ausbauen. Zu jedem neuen Fachbereich, der mir liegt, und in dem ich mich spezialisieren möchte, gehe ich auch ähnlich vor:

  • relevante Fachliteratur suchen
  • Kataloge vom Kunden und deren Wettbewerbern (in meinen Arbeitssprachen) wälzen
  • mich über neue Gesetzgebungen und Richtlinien informieren
  • Fachmessen besuchen und mit Fachleuten über neue Entwicklungen fachsimpeln

Wie kamst du an deinen allerersten Auftrag?

Der allererste Auftrag war ein kleiner Tourismustext von einer Kleinstadt in Mecklenburg-Vorpommern, die Besucher aus Schweden anlocken wollte. Wenn ich mich richtig erinnere, war es das Ergebnis einer Kaltakquise-Aktion. Der Auftrag an sich war recht interessant und auch lehrreich, aber hinterher wusste ich, dass ich mich auf Technik statt Marketing konzentrieren sollte.

Arbeitest du vorwiegend mit Agenturen oder mit Direktkunden und hat sich das im Lauf der Zeit geändert?

Von Anfang an strebte ich danach, Kunden aus beiden Segmenten zu finden. Momentan sind es zwar mehr Agenturen als Endkunden, allerdings mache ich ständig Akquise, sodass sich das Verhältnis über die Zeit ändern könnte. Für mich ist es eher wichtig aufzupassen, dass kein Kunde für 20 % oder mehr des Umsatzes aufkommt. Alle Eier in einen Korb zu legen ist niemals gut!

Was liebst du an deinem Job am meisten?

Das ist definitiv die tägliche Abwechslung: am Montag die Bedienanleitung zu einer Flaschenabfüllanlage, am Mittwoch die technische Produktbeschreibung einer Alarmanlage für ein Eigenheim und am Freitag die Installationsanweisung zu einer vollautomatisierten Bestückungsanlage für ein Hochregallager. Es wird nie langweilig!

Was hasst du an deinem Job am meisten?

Die zunehmend schlechte Zahlungsmoral und dass ich meinem Geld hinterherrennen muss. Direkte Zahlungsausfälle kommen zum Glück äußerst selten vor, z. B. wenn ein Endkunde insolvent wird. Der Erfindungsreichtum, wenn es um Gründe für die nicht pünktliche Begleichung einer Rechnungen geht, ist schon erstaunlich. Der Klassiker ist, dass die Rechnung nicht eingetroffen ist, und dies obwohl sie zusammen mit der Übersetzung geliefert wurde. Auch die Begründung von manchen Agenturen, dass die Rechnung nicht beglichen werden kann, weil der Endkunde nicht bezahlt hat, zieht bei mir nicht. Der Kunde meines Kunden ist nicht mein Kunde. Eine pünktliche Lieferung setzt auch eine pünktliche Begleichung voraus.

Welchen Tipp würdest du anfangenden Kolleginnen geben?

Ein gut funktionierendes Netzwerk unter Kollegen ist das A und O. Einige meiner besten Kunden habe ich übrigens durch Empfehlung von Kollegen, die diese Kunden mit anderen Sprachkombinationen bedienen. Gute Gelegenheiten bieten Übersetzerkonferenzen, Stammtische oder Seminare – und auch online in diversen Foren und Gruppen.

Auch wenn einige das Wort nicht gern in den Mund nehmen: Wir sind Unternehmer. Um potentielle Kunden zu überzeugen, ist es daher wichtig, auf allen Ebenen professionell zu agieren. Dies fängt bei der Online-Präsenz an (Profilseite oder Webseite), geht über die Erstellung von Angeboten und Kalkulationen weiter und schließt sich durch die pünktliche Lieferung der Übersetzung ab. Unsere Leistungen werden zeitnah abgerechnet und wir erwarten auch eine pünktliche Begleichung der Rechnungen. Dies wird auch so unmissverständlich dem Kunden kommuniziert.

Nur mit einem professionellen Auftreten können wir auch erwarten, dass der Kunde uns auf Augenhöhe begegnet.

Richtlinie zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32011L0007&from=EN

Gesetz zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr

https://www.haufe.de/recht/weitere-rechtsgebiete/wirtschaftsrecht/gesetz-zur-bekaempfung-des-zahlungsverzugs-im-geschaeftsverkehr_210_269632.html

Wie hast du es geschafft, dir ein berufliches Netzwerk (zu Firmen, aber auch zu Kollegen) aufzubauen?

Firmenkontakte:

  • Aufmerksam die Wirtschaftsnachrichten lesen, mit Schwerpunkt auf neue Kooperationen zwischen Deutschland und Schweden. Firmen und Ansprechpartner recherchieren, einfach anschreiben und meine Dienstleistungen anbieten.
  • bei Fachmessen und IHK-Veranstaltungen die Firmenvertreter ansprechen

Kollegen:

  • immer wieder das Gespräch mit Kollegen bei Seminaren, Stammtischen und Konferenzen suchen

Welchen Tipp hast du für die erfolgreiche Kundenakquise?

Unbedingt ein erfolgreiches und aktives Kollegennetzwerk aufbauen. Ausreichend Geduld bei der Akquise, da manche der angeschriebenen Firmen nicht innerhalb eines Monats Bedarf an Übersetzungen haben, sondern vielleicht erst in zwei Jahren. Bei bestehenden Kunden, die eine längere Zeit nicht bestellt haben, lohnt es sich manchmal, sich kurz in Erinnerung zu bringen.

Was würdest du an deiner Ausbildung/an deinem Werdegang heute anders machen, wenn du könntest?

Jetzt wenn ich nachdenke, gibt es eigentlich nichts, was ich ändern möchte.

Was war deine bisher beste Anschaffung?

Meine beste Anschaffung ohne Zweifel war eine USV (unterbrechungsfreie Spannungsversorgung), die ich direkt zwischen der Netzversorgung und meinem Arbeitsrechner anschließe. Mit diesem Gerät kann ich nicht nur bei einem plötzlichen Stromausfall weiterarbeiten. Es hat mich außerdem schon mehrmals davor bewahrt, dass mein Rechner bei Gewitter durchbrannte. Eine kleine Investition mit großem Nutzen.

Wie hältst du dich auch als alter Hase auf dem Laufenden?

Vor allem bleibe ich immer neugierig und lese viel Fachliteratur. Neben verschiedenen Veranstaltungen für Übersetzer und Fachleute aus „meinen Fachbereichen“, halte ich mich ständig à jour mit Neuentwicklungen in meiner Muttersprache. Dies ist besonders wichtig für alle, deren Zielsprache nicht in dem Land gesprochen wird, in dem man wohnt. Fast jeden Tag schaue ich schwedisches Fernsehen und lese außerdem aktuelle Nachrichten und verfolge gesellschaftliche Debatten.

Welche Bücher und/oder Veranstaltungen kannst du empfehlen?

Ratgeber, die sich an verschiedene Leser wenden, gibt es mittlerweile viele. An dieser Stelle möchte ich auf alle Fälle empfehlen:

Confessions of a Freelance Translator: Secrets to Success von Gary Smith.

Ansonsten lege ich es jedem Kollegen nahe, sich die Angebote an Webinars beim BDÜ, DVÜD und ADÜ Nord anzuschauen. Es wird eine Fülle an Weiterbildungsveranstaltungen angeboten, und einige sind sogar kostenlos. Wer auf der Suche nach Endkunden ist, findet manchmal interessante Events bei der örtlichen IHK oder den jeweiligen Außenhandelskammern (AHK).

Interview-Reihe Teil 8: Kerstin Fricke

Kerstin Fricke übersetzt Romane, Sachbücher und Graphic Novels sowie Games aus dem Englischen ins Deutsche und lektoriert neben deutschsprachigen Büchern auch Übersetzungen englisch- und französischsprachiger Autor*innen. Ihre berufliche Website ist unter www.kf-uebersetzungen.de zu finden, während sie auf ihrem Blog »Die Wortspielerin« rezensiert, aus dem Arbeitsalltag plaudert und allerlei Nerdiges vorstellt.

 

Wie kamst du auf die Idee, Übersetzerin zu werden?

Zum Übersetzen von Computerspielen kam ich während meines Informatikstudiums als Nebenjob, und mir wurde schnell klar, dass mir das viel mehr Spaß macht als alles, was mich nach meinem Abschluss erwartet hätte – und so habe ich mich schließlich selbstständig gemacht.

Wie hast du deine Spezialisierung gefunden und wie hast du dich dann in diesem Fachbereich spezialisiert?

Die Spezialisierung Computerspiele war naheliegend, schließlich habe ich schon immer gern gespielt und hatte dank des Nebenjobs nicht nur Erfahrung vorzuweisen, sondern auch erste Kontakte innerhalb der Spielebranche.

Mein zweites Standbein Literatur musste ich mir hingegen über einen längeren Zeitraum aufbauen. Romane zu übersetzen stellte ich mir als Leseratte schon immer traumhaft vor (da stimmen Wunsch und Wirklichkeit aber zugegebenermaßen nicht immer überein 😉), und im Laufe der Zeit kristallisierten sich durch diverse Aufträge die Genres heraus, die mir am meisten liegen.

Arbeitest du vorwiegend mit Agenturen oder mit Direktkunden und hat sich das im Lauf der Zeit geändert?

Im Spielebereich hat sich das lange Zeit die Waage gehalten, aber da viele Agenturen immer weiter mit den Preisen runtergegangen sind und ich irgendwann feststellen musste, dass mir vieles in dieser Branche zu stressig wird, übernehme ich jetzt nur noch sehr wenige, ausgesuchte Spiele hauptsächlich für Direktkunden.

Bücher übersetze und lektoriere ich fast ausschließlich für Verlage und Selfpublisher; da kommt mir nur ganz selten im Sachbuchbereich mal eine Agentur unter.

Was liebst du an deinem Job am meisten?

Dass er so unglaublich abwechslungsreich ist und dass ich mir die Zeit frei einteilen kann.

Zwar stimmt der Spruch »Kein Projekt ist wie das andere« nur bedingt, da sich innerhalb der Romangenres schon vieles wiederholt oder in ähnlicher Form vorkommt, aber man hat es doch immer wieder mit neuen Themen, einem anderen Stil und spannenden Rechercheaufgaben zu tun, und wenn ich beispielsweise einen richtig gut geschriebenen und spannenden Krimi übersetze, den ich auch privat gern lesen würde, fliegen die Seiten oftmals nur so dahin.

Außerdem bin ich als notorische Nachteule froh, nicht morgens um acht am Schreibtisch sitzen zu müssen. Ich genieße die Freiheit sehr, mich auch tagsüber mit Kolleg*innen zu treffen oder an schönen Tagen einfach mal vor die Tür gehen zu können, gerade wenn ich mal wieder an einer Stelle nicht vorankomme, weil mir z. B. keine passende deutsche Redewendung einfällt, und hänge dafür gern abends ein paar Stunden am Schreibtisch dran.

Was hasst du an deinem Job am meisten?

In der Spielebranche war das eindeutig der Stress – manche Auftraggeber schienen zu glauben, ich würde nur für sie arbeiten und hätte kein Problem damit, mir für wenig Geld bzw. keine Zuschläge die Nächte und Wochenenden um die Ohren zu schlagen.

Bei Büchern ärgere ich mich am meisten über zu übersetzende Originale, die nicht lektoriert wurden, sodass ich für die deutsche Fassung massenhaft Fehler, falsche Bezüge und diversen anderen Blödsinn herausfiltern muss – und ich frage mich jedes Mal, ob die Bücher tatsächlich so erschienen sind (was ich befürchte).

Was war dein bisher schönstes Übersetzungsprojekt?

Eigentlich immer das, das ich gerade abgegeben habe. :D

Gut, es gab schon einige, die aus der Masse herausragen. Mir haben Spiele immer großen Spaß gemacht, die ich ohnehin selbst spielen wollte (beispielsweise World of Warcraft, Mass Effect oder Star Wars: Knights of the old Republic), während es im literarischen Bereich vor allem Romane wie Blake Crouchs Psychose, Beth Lewis‘ Wolf Road oder The Shape of Water von Guillermo del Toro und Daniel Kraus waren, also Bücher, die sich durch besondere, nicht alltägliche Geschichten auszeichnen oder die einfach gut geschrieben sind.

Welchen Tipp würdest du anfangenden Kolleginnen geben?

Traut euch! Nehmt Projekte an, die euch interessieren, und fragt um Rat, wenn ihr nicht weiterwisst. Jeder hat mal angefangen, und es ist keine Schande, etwas nicht zu wissen. Wagt es aber ebenso, Nein zu sagen, wenn euch Aufträge angeboten werden, die euch in irgendeiner Hinsicht überfordern, oder wenn der Preis nicht stimmt. Denn auch als Anfänger muss man sich nicht unter Wert verkaufen!

Ganz wichtig ist außerdem: Lernt aus euren Fehlern! Dass welche passieren, lässt sich nicht vermeiden, aber nutzt sie als Chance, um es beim nächsten Mal besser zu machen. Daher solltet ihr auch kritikfähig sein: Ich erlebe es beispielsweise beim Lektorieren häufig, dass Übersetzer*innen sich persönlich angegriffen fühlen, wenn ich etwas ändere oder Verbesserungsvorschläge anbringe, dabei stehen doch alle auf derselben Seite und wollen letzten Endes nur das bestmögliche Buch oder Spiel auf den Markt bringen und sich nicht gegenseitig an den Karren fahren.

Wie hast du es geschafft, dir ein berufliches Netzwerk (zu Firmen, aber auch zu Kollegen) aufzubauen?

Netzwerke unter Kollegen sind unglaublich wichtig, nicht nur zum Erfahrungsaustausch, sondern auch, um bei Bedarf Unterstützung zu erhalten. Auch die sozialen Netze wie Facebook und Twitter darf man in dieser Hinsicht nicht unterschätzen, und natürlich ist das Allerwichtigste, sich auch mal persönlich zu treffen – da haben sich Regionaltreffen von Berufsverbänden, Stammtische und Messen für mich als unschätzbar erwiesen. Im persönlichen Gespräch bekommt man oftmals Dinge mit, die man nicht unbedingt auf die Website schreibt, und meiner Ansicht nach arbeitet man auch besser zusammen, wenn man das Gegenüber wenigstens mal gesehen hat und ansatzweise weiß, wie der Mensch tickt.

Als ich die Anfrage bekam, ein komplettes Buchprojekt zu betreuen (also eine druckfertige Fassung zu liefern, die übersetzt, lektoriert, korrigiert und gesetzt ist), musste ich nicht lange überlegen, sondern hatte schnell ein kompetentes Team an der Hand, mit dem ich inzwischen schon über zehn solcher Projekte gestemmt habe – einfach, weil ich genau wusste, dass diese Menschen der Aufgabe gewachsen waren und absolut zuverlässig sind.

Welchen Tipp hast du für die erfolgreiche Kundenakquise?

Die Kundenakquise ist etwas sehr Individuelles, habe ich festgestellt, und zudem auch äußerst branchenabhängig. Insofern gibt es da keinen Kardinalweg, schlichtweg, weil bei jedem etwas anderes funktioniert. Oftmals ist ein Quäntchen Glück dabei (beispielsweise wenn man einem Verlag eine Blindbewerbung schickt, obwohl einem jeder sagt, dass das vollkommen sinnlos wäre, dort aber gerade für ein ganz bestimmtes Projekt jemand gesucht wird, der eine besondere Nischenerfahrung aufweist, mit der man zufälligerweise punkten kann), aber im Großen und Ganzen muss da jeder seinen eigenen Weg finden. Was sich für mich eindeutig bewährt hat, ist das Netzwerken. Rede über deine Spezialisierungen, deine Interessen oder deine ungewöhnlichen Hobbys, stehe zu deinem Nerdtum oder was auch immer dich ausmacht, denn mit etwas Glück prägt sich das ein und der andere erinnert sich an dich, wenn ein entsprechendes Projekt ansteht.

Was war deine bisher beste Anschaffung?

Es gibt einige Dinge, ohne die ich nicht mehr arbeiten möchte, wie meine mechanische Gamingtastatur mit programmierbaren Tasten oder meine beiden 27-Zoll-Monitore. Ohnehin halte ich es für überaus vernünftig, beim »Arbeitsmaterial« auf Qualität zu achten. Ich habe mich z. B. lange mit diversen Headsets rumgeärgert und mir nun endlich ein anständiges Tischmikrofon zum Diktieren gekauft – und jetzt frage ich mich, wieso ich das nicht viel früher getan habe.

Bei der Software ist das abermals eine individuelle Frage, ich brauche das Adobe-Paket (vor allem Acrobat für effektives Korrigieren in PDFs und InDesign für Arbeiten direkt im Layout), aber für Romanübersetzungen kein CAT-Tool, dabei habe ich im Laufe der Jahre diverse gekauft; abgesehen davon besteht meine jüngste gute Anschaffung in einem erweiterten Webspace mit Cloud-Lösung, sodass ich nicht nur auf externen Festplatten, sondern einem eigenen, in Deutschland gehosteten Server Back-ups machen kann und mich nicht mit Drittanbietern rumschlagen muss.

Wie hältst du dich auch als alter Hase auf dem Laufenden?

Ich habe mich ja praktischerweise in Bereichen spezialisiert, die ohnehin zu meinen Hobbys gehören, insofern bilde ich mich bereits weiter, indem ich on- und offline zocke, um mich in Bezug auf die Gamersprache und aktuellen Begrifflichkeiten auf dem Laufenden zu halten, oder englische und deutsche Bücher lese, damit auch mein Sprachgefühl auf dem neuesten Stand bleibt. Darüber hinaus besuche ich inzwischen verstärkt Seminare und nutze Webinare oder Online-Tutorials zur Weiterbildung.