Archiv der Kategorie: Tipps für Übersetzer

Schreckensgespenst Gewerbe

Disclaimer: Ich bin Übersetzerin, keine Steuerberaterin oder Ähnliches. Was ich hier schreibe, beruht einzig und allein auf meiner persönlichen Erfahrung oder dem, was ich mir zusammengefragt oder ergoogelt habe. Bitte nageln Sie mich also auf nichts fest. Der Beitrag soll Ihnen lediglich die pauschale Angst vor einer gewerblichen Tätigkeit nehmen. Und wenn das gelungen ist, sollten Sie jemanden fragen, der sich wirklich mit so was auskennt.

Übersetzer*innen sind Freiberufler*innen

Übersetzen und Dolmetschen gehört zu den sogenannten Katalogberufen; deshalb benötigen wir kein Gewerbe. Im Rahmen dieser Freiberuflichkeit dürfen Sie natürlich auch andere Dienstleister*innen beauftragen, zum Beispiel Kolleg*innen, Korrekturleser*innen, Lektor*innen usw. Sie dürfen auch Aufträge von Direktkund*innen annehmen und weitergeben. Dabei wird davon ausgegangen, dass Sie den Text anschließend lektorieren oder zumindest prüfen, also Ihren Teil zum fertigen Produkt beitragen. Das fällt alles immer noch unter freiberufliche Tätigkeit.

Anders sieht das aus, wenn Übersetzer*innen Aufträge für Sprachen annehmen und weiterreichen, die sie selbst nicht anbieten/sprechen/verstehen. In diesem Fall können wir nichts zum fertigen Produkt beitragen, sondern den Text nur weiterreichen. Und diese Tätigkeit fällt unter Gewerbe.

Das Gewerbe

Eine gewerbliche Tätigkeit ist kein Grund zur Panik, denn da gibt es eine „Bagatellgrenze“, die bei 3 % der Nettoumsatzerlöse liegt. Nettoumsatz ist die Summe aller Rechnungen, die Sie im betreffenden Jahr ausstellen – ohne Umsatzsteuer. Sind das beispielsweise 50.000 Euro im Jahr, können Sie Aufträge in Höhe von 1.500 Euro im Jahr weitereichen, ohne ein Gewerbe anmelden zu müssen.

Drohen Sie über diese Summe zu kommen, haben Sie drei Möglichkeiten:

  • Sie vermitteln in dem Jahr keine Aufträge in Sprachen mehr, die Sie nicht beherrschen,
  • Sie nehmen sich eine*n Steuerberater*in,
  • Sie melden einfach ein Gewerbe an.

Disclaimer: Ich mache meine Steuer selbst. Hab ich schon immer so gemacht. Ich hatte aber auch immerhin im Studium als Ergänzungsfach Wirtschaft, habe mal ein Jahr lang im Finanzamt gearbeitet (und die Ablage gemacht) und hatte über 20 Jahre Zeit, mich in die immer komplizierter werdende Steuererklärung einzuarbeiten. Ohne ein gewisses steuerliches Grundwissen und ein mathematisches Talent und Interesse würde ich eher abraten, die Steuererklärung selbst zu machen. Aber das nur nebenbei. Ich gehe im Folgenden davon aus, dass Sie über dieses Grundwissen verfügen.

Die Gewerbeanmeldung

Liegen Sie mit Ihren gewerblichen Einnahmen über dem Bagatellbetrag und möchten Sie ein Gewerbe anmelden, geht das einfach online über ihr zuständiges Gewerbeamt. Formular ausfüllen, absenden, fertig. Sie erhalten dann irgendwann einen Brief mit der Bestätigung der Gewerbeanmeldung, eine Rechnung (bei mir waren es 30 Euro; der Betrag mag variieren) sowie Post von der IHK. Außerdem schickt Ihnen das Finanzamt eine Steuernummer für Ihr Gewerbe. Alles nicht schlimm.

Die IHK-Zwangsmitgliedschaft

Die sog. Zwangsmitgliedschaft in der IHK wird immer wieder als ganz furchtbar schlimm und teuer hingestellt. Mich kostet mich nichts, weil mein Ertrag unter 5.200 Euro im Jahr liegt. Ertrag ist der Gewinn, also alle Einnahmen minus alle Ausgaben (jeweils ohne Umsatzsteuer, sofern Sie umsatzsteuerpflichtig sind). Bei Gefahr, knapp über die Grenze zu kommen, lassen sich womöglich Ausgaben von der freiberuflichen Tätigkeit zum Gewerbe schieben. Und auch über der Grenze sind die Beträge in Höhe ab 40 Euro im Jahr (je nach Höhe des Ertrags) recht überschaubar. (Ich beziehe mich auf die Sätze der für mich zuständigen IHK Oldenburg. Die Zahlen mögen variieren.) Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich finde das gar nicht so furchtbar.

Die Gewerbesteuer

Noch so ein Schreckgespenst, das gar keines ist. Gewerbesteuer ist erst ab einem Jahresertrag in Höhe von 24.500 Euro fällig. Vorher muss auch keine Gewerbesteuererklärung abgegeben werden. Soll heißen: Da passiert nichts und das kostet nichts. Ein ziemlich harmloses Schreckgespenst! Bei über 24.500 Euro Jahresertrag würd ich mir wirklich einen Steuerberater suchen. Das wäre dann sogar mir zu kompliziert.

Wichtig: Infektionstheorie/Abfärberegelung

Wenn Sie sowohl freiberuflich als auch gewerblich tätig sind, ist es absolut unbedingt und ganz furchtbar wichtig, dass Sie beide Tätigkeiten steuerlich strikt voneinander trennen. Tun Sie das nicht, werden ALLE Einnahmen dem Gewerbe zugeordnet, was logischerweise bedeutet, dass Sie deutlich schneller die Einkommensgrenze für IHK und Gewerbesteuer überschreiben als mit dem Gewerbe allein.

Strikt trennen bedeutet: Unterschiedliche Steuernummern, separate Einnahmen-Überschuss-Rechnungen (EÜR) und am besten auch unterschiedliche Bankkonten und unterschiedliche Rechnungsbögen. Und das ist auch das Einzige, was durch die Gewerbeanmeldung tatsächlich ein wenig komplizierter wird:

Die Steuererklärung

Die Steuererklärung wird durch das Gewerbe ein klein wenig umfangreicher. Sie müssen nun zwei EÜRs abgeben: eine für Ihre freiberufliche Tätigkeit und eine für Ihr Gewerbe. Die Ergebnisse der beiden EÜRs kommen in Anlage S. Das war’s dann auch schon! Das ist zwar ein Mehraufwand, der sich jedoch in Grenzen hält.

Bei der Umsatzsteuer ändert sich nichts. Sie geben nur eine einzige Umsatzsteuer für alle Einnahmen aus allen Quellen ab.

 

Und, klingt das jetzt irgendwie furchtbar? Ich habe zurzeit drei Gewerbe neben meiner freiberuflichen Tätigkeit, das bedeutet vier Steuernummern und vier EÜRs, und ich hab’s bisher überlebt. In diesem Zusammenhang noch eine Anmerkung: Reines Korrektorat ist eine gewerbliche Tätigkeit. Ich rede nicht vom Übersetzungslektorat, sondern vom reinen Korrektorat, also wenn Sie einen auf Deutsch geschriebenen Text von Rechtschreib- und Grammatikfehlern befreien. Für dieses Korrektorat benötigen Sie (oberhalb der Bagatellgrenze) ein Gewerbe. Lektorate hingegen fallen wieder unter freiberufliche Tätigkeit.

Mit Freundlichkeit kommt man immer weiter!

Vor über 20 Jahren, als ich anfing, freiberuflich als Übersetzerin zu arbeiten, bekam ich ein paar Aufträge von der damaligen Firma meines Vaters. Und eines Tages erzählte er mir, er habe von der zuständigen Person gesteckt bekommen, dass ich so unhöflich sei in meinen E-Mails, woran das denn liegen würde. Ich bin damals aus allen Wolken gefallen, hielt ich meine E-Mails doch für sachlich-professionell. Aber eben dieser rein sachlich-professionelle Stil kommt beim Empfänger gern unfreundlich an.

Beispiel gefällig? Stellen Sie sich vor, Sie schreiben einen Webdesigner an, erzählen, dass Sie Übersetzerin sind, eine Website brauchen, umreißen, was die Seite können muss, und bitten um ein Angebot.

Mögliche Antwort Nr. 1:

Sehr geehrte Frau Lalalu,

anbei finden Sie mein Angebot im PDF-Format.

MfG

Webdesigner

 

Mögliche Antwort Nr. 2:

Moin, Frau Lalalu,

vielen Dank für Ihre Anfrage! Das ist ja ein interessanter Job, den Sie da haben. Faszinierend, wenn jemand eine Fremdsprache so gut beherrscht!

Gerne würde ich mit Ihnen gemeinsam an Ihrer Website arbeiten. Anbei finden Sie mein Angebot im PDF-Format.

Würde mich freuen!

Gruß und ein erholsames Wochenende

Webdesigner

Na, wen von beiden würden Sie lieber beauftragen? Ich persönlich bekomme bei Nr. 1 schlechte Laune, während mir Nr. 2 ein Lächeln auf das Gesicht zaubert.

Anderes Beispiel. Sie arbeiten an einem Text und Ihnen fällt ein Fehler auf, den Sie dem Kunden mitteilen möchten.

Mögliche E-Mail Ihrerseits Nr. 1:

Sehr geehrte Frau Pipapo,

auf Seite 23 des Textes befindet sich ein Fehler. Es muss xy heißen, nicht yz.

MfG

 

Mögliche E-Mail Ihrerseits Nr. 2:

Moin, Frau Pipapo,

kann es sein, dass sich auf Seite 23 ein Fehlerchen eingeschlichen hat? Sollte es vielleicht xy heißen und nicht yz? Oder verstehe ich etwas falsch?

MfG

 

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber bei Nr. 1 würde ich mich persönlich angegriffen fühlen und bei Nr. 2 wäre mir der Fehler nur peinlich und ich wäre dankbar für den Hinweis.

Und so macht der Ton die Musik. Ich hatte für meinen Buchübersetzungsservice ins Englische anfangs drei Lektorinnen. Alle haben immer gute Arbeit pünktlich geliefert, doch nur eine war freundlich. Hörte in den Nachrichten von den Überflutungen und fragte mich, ob ich womöglich betroffen sei. Erzählte von den Unruhen in ihrer Heimatstadt. Erzählte im Laufe der Zeit von ihren Kinder und äußerte Freude darüber, wie gut sich unsere Zusammenarbeit entwickelt habe und wie glücklich sie darüber sei. Im Gegenzug erzähle ich natürlich auch so dies und das, und so kam es, dass ich irgendwann nur noch sie beauftragte und die anderen beiden Lektorinnen gar nicht mehr. Einfach, weil ich mich immer über die netten E-Mails von ihr freue und sie mir das gute Gefühl vermittelt, dass sie sich über meine E-Mails freut.

Damals, vor über 20 Jahren, hielt ich meine Sachlichkeit für Professionalität. Man kann aber durchaus freundlich sein und dennoch professionell. Und gerade bei E-Mails muss man eine große Schippe Freundlichkeit drauflegen, weil Sachlichkeit allzu leicht unfreundlich rüberkommt.

Deshalb einfach mein Tipp zur Kundenbindung: Seien Sie sehr, sehr freundlich. Verleihen Sie E-Mails eine persönliche Note. Loben Sie, wenn es sich anbietet. Verschicken Sie mit jeder E-Mail eine Portion gute Laune. Die kommt an! Und macht süchtig. Und schon schreibt man Ihnen gerne 😊

Kostenlose Girokonten für Freiberufler

Ich habe aufgeräumt. Und werfe gerne Sachen weg. Und habe im Zuge der SEO-Workshops an meinen Websites ein wenig rumsuchmaschinenoptimiert. Und so kam es, dass ich einen ganzen Schwung Posts meines Blogs unter www.miriam-neidhardt.de/blog gelöscht habe. Als ich damals anfing zu bloggen, habe ich einfach geschrieben, was mir in den Sinn kam; manches hatte gar nichts mit dem Übersetzen zu tun und viele Beiträge richteten sich an Kolleginnen. Im Blog meiner Hauptseite möchte ich nun aber nur noch für potenzielle Kunden Relevantes verbloggen; für Tipps für Kolleginnen habe ich ja dieses Blog zum Buch hier.

Einer der gelöschten Beiträge über kostenlose Geschäftskonten für Freiberufler jedoch war recht beliebt, wurde viel gelesen und war auch durchaus interessant; wenn auch inzwischen veraltet. Und deshalb hier eine aktuelle Fassung:

Brauche ich als Freiberufler ein separates Geschäftskonto?

Jain. Es gibt keine „Geschäftskundenpflicht“ für Freiberufler. Im Prinzip reicht ein Girokonto für alle privaten und geschäftlichen Einnahmen und Ausgaben aus. Es ist aber anzuraten, Privates und Geschäftliches zu trennen:

  1. Die meisten Girokonten dürfen nur privat genutzt werden. Bei Kontoeröffnung geben Sie in der Regel an, das Konto rein privat zu nutzen. Nutzen Sie es dann dennoch geschäftlich, kann es vorkommen, dass Sie ein Schreiben der Bank erhalten mit der Aufforderung, die geschäftliche Nutzung umgehend einzustellen, sonst wird das Konto gekündigt. Das kann manchmal Jahre dauern! Mir ist es so bei der DKB passiert.
  2. Im Falle einer Steuerprüfung müssen Sie eventuell alle Kontoauszüge präsentieren, um nachweisen zu können, dass Sie wirklich alle Einnahmen versteuern. Haben Sie nur ein Konto, hat das Finanzamt damit auch Einblick in all Ihre privaten Kontobewegungen. Und wenn Sie mal etwas bei eBay verkaufen, müssen Sie womöglich belegen, dass es sich hier um eine private Einnahme handelt. Im besten Fall ist das nur lästig; im schlechtesten Fall wird es teuer.
  3. Mit zwei Konten haben Sie schlicht einen besseren Überblick über Ihre Finanzen. Ich überweise mir ein monatliches „Gehalt“ von meinem Geschäfts- auf mein Privatkonto. So habe ich, wie eine Arbeitnehmerin, ein monatliche Budget. Was am Jahresende und nach Steuern noch auf dem Geschäftskonto liegt, ist Überschuss und kann für die Altersvorsorge zurückgelegt werden.

Kostenlose Girokonten für den Privatgebrauch:

DKB. Seit vielen Jahren meine Lieblingsbank. Mit der Kreditkarte kann man überall auf der Welt und an jedem Automaten kostenlos Geld ziehen. Das ist ganz schön praktisch. Die App ist schön übersichtlich, und wenn man schon mal bei der Bank ist, kann sich auch ein Tagesgeldkonto und ein Depot zulegen, wenn man möchte. Für das Tagesgeldkonto gibt es zzt. nur 0,01 % Zinsen, aber manchmal ist es ja schon praktisch, wenn das Geld, das als Rücklage dient, auf einem anderen Konto liegt. Außerdem kann man Girokonten für die Kinder eröffnen, wenn man welche hat und das möchte; auch diese werden schön übersichtlich in der App angezeigt. Auch die Kinder haben dann eine eigene Maestro- und eine VISA-Karte (auf reiner Guthabenbasis), mit denen sie on- und offline bezahlen und Geld am Automaten ziehen können. Finden meine ziemlich cool. Pünktlich am 18. Geburtstag verschwindet das Kinder-Girokonto aus der Eltern-App.

Die DKB bietet zwar auch ein kostenloses Geschäftskonto, aber nur für Ärzte, Steuerberater und so – nicht für Übersetzer.

Tomorrow: Die umweltfreundliche Bank. Mir fehlt die persönliche Erfahrung, aber würde ich noch ein privates Girokonto brauchen, würde ich Tomorrow ausprobieren. Die Nutzung als Geschäftskonto ist nicht erlaubt.

Kostenlose Girokonten für den Geschäftsverkehr:

All diese Konten dürfen sowohl privat als auch geschäftlich genutzt werden:

N26: Mein Lieblings-Geschäftskonto, das ich für alle Einnahmen und Ausgaben als Übersetzerin und Korrekturleserin verwende. Übersichtliche App, schicke Kreditkarte, die ich über die App deaktivieren kann, weil ich sie eh nicht nutze. Nachteil: Es sind nur Buchungen in Euro möglich. Möchte man Fremdwährungen empfangen oder überweisen, benötigt man Wise (ehemals Transferwise).

Kontist: Das Girokonto bei Kontist habe ich eröffnet, als es über eine Schnäppchenseite mal 100 Euro dafür gab 😊 Seitdem nutze ich es für die Einnahmen aus dem Marktplatz für Musterübersetzungen. Wie bei N26 sind auch bei Kontist nur Sepa-Überweisungen in Euro möglich.

Revolut: Das Girokonto bei Revolut habe ich mir für Überweisungen in Fremdwährungen angeschafft. Die Gebühr für den Währungsumtausch liegt bei 0,5 %; hinzu kommt eine Gebühr für die „Internationale Zahlung“, die je nach Währung zwischen 0,3 % und 5 Euro beträgt. Der Betrag wird aufgeschlüsselt angezeigt, bevor man die Überweisung bestätigt. Revolut sitzt seit dem Brexit nicht mehr in GB, sondern in Litauen.

Wise: Wise hieß früher Transferwise und ist ausgesprochen praktisch für Zahlungsaus- und -eingänge in Fremdwährungen. Mit dem Multiwährungskonto hat man quasi mehrere Girokonten in mehreren Ländern; so habe ich ein US-Konto, auf das meine Agentur in den USA meine Monatsrechnung bezahlt, und auch Konten in Kanada, GB und in der Schweiz. Auftraggeber können also in ihrer Währung auf ein Konto in ihrem Land zu ihren inländischen Gebühren überweisen, und ich kann den Betrag dann in der App entweder in der entsprechenden Währung ausgeben (wenn ich mal etwas in den USA bestelle) oder in Euro auf mein Girokonto überweisen. Die Gebühren richten sich nach Währung und Land; bei Zahlungseingang aus den USA z. B. werden 0,43 % plus 7,50 USD berechnet, für den Zahlungsausgang nach USA 0,41 % plus 0,95 Euro. Wie bei Revolut werden die Gebühren sauber aufgeschlüsselt angezeigt.

 

PayPal: PayPal ist ungemein praktisch, aber auch echt teuer, gerade, wenn es um Fremdwährungen geht. Bis zu 10 % fallen für Währungsumtausch und Überweisung an. Auch bei PayPal ist anzuraten, sich zwei Konten zuzulegen: ein privates und ein geschäftliches. Ich nutze PayPal für den Zahlungseingang von Privatkunden, die eine Urkundenübersetzung benötigen, sowie für Zahlungen von Kunden meiner Onlineshops. Na ja, und zum Online-Shoppen natürlich 😉

 

Uff, 5 Girokonten habe ich somit. 5 Apps auf dem Handy. Plus zweimal PayPal. Plus meine Amazon-Kreditkarte samt App; mit der Amazonkarte zahle ich praktisch alles, was privat ist, und erhalte 0,5 % bzw. 3 % als Cashback. So viele Konten braucht man natürlich nicht wirklich. Aber ein Privat- und ein Geschäftskonto sollten schon sein!

Wie viel kann ich für eine Übersetzung verlangen?

Ihr macht euch keine Vorstellung, wie oft ich E-Mails von Kolleg*innen erhalte mit der Beschreibung eines Projekts und der Frage, wie viel sie dafür berechnen sollen.

Hier also meine pauschale Antwort:

Unabhängig davon, um welche Textsorte und welche Sprachkombination es geht, schätzt ihr immer ab, wie lange ihr für das Projekt brauchen werdet. Natürlich ist das manchmal etwas schwer einzuschätzen; zur Not arbeitet ihr exakt eine Stunde an der Übersetzung, zählt nach, wie viele Wörter/Zeilen ihr in der Zeit geschafft habt, und rechnet die Zahl dann auf das gesamte Projekt hoch. Und schlagt 20 % drauf, weil ihr eure Übersetzung ja anschließend sicherlich noch durcharbeitet, und auch das kostet Zeit. Wenn ihr also in einer Stunde 500 Wörter schafft und einen Stundensatz von 50 Euro habt, braucht ihr für 10.000 Wörter 20 Stunden und berechnet 1.200 Euro (20 Stunden plus 20 %).

Ihr wollt konkretere Zahlen? Das ist echt schwierig, weil ein Wortpreis, wie ihr wisst, immer mindestens von Textsorte und Sprachkombination abhängt, aber auch davon, ob es sich um einen Privatkunden handelt oder Geschäftskunden oder eine Agentur, ob der Text unter eurem Namen veröffentlicht wird, ob ihr den Text selbst Korrektur lesen lasst (dann kommen noch die Kosten für die/den Korrekturleser*in hinzu und ein bisschen für euer Projektmanagement) …

Ihr wollt trotzdem konkrete Zahlen?

Ist ja gut. Für Fachtexte ist ein gutes Maß immer das JVEG. Demnach sind für gängige Sprachen 1,80 Euro pro Zeile (55 Zeichen im Zieltext) zu berechnen. Da das ein Satz für eine Übersetzung für Endkund*innen ist, würde ich davon ausgehen, dass ihr von diesem Satz die*den Korrekturleser*in bezahlt. Das wären dann Pi mal Daumen so um die 40 Euro pro Seite allein für die Übersetzung.

Bei Romanübersetzungen kann man sich nach dem VdÜ richten; demnach liegt der „übliche Satz“ für die Übersetzung einer Seite aus dem Englischen ins Deutsche bei runden 18 Euro. Nur für die Übersetzung; Lektorat und Korrektorat kommen noch hinzu.

Schwierig finde ich persönlich immer die Berechnung für die Übersetzung eines Fachbuchs. Wenn ihr mich fragt, würde ich dafür ein Ding zwischen Fach- und Romanübersetzung ansetzen und von 25–30 Euro pro Seite (1.800 Zeichen) ausgehen, abhängig davon, wie fachspezifisch das Buch ist. Plus Lektorat und Korrektorat, sofern ihr das im Paket anbietet.

Nun wollt ihr wissen, wie viel ihr für Lektorat und Korrektorat ansetzen sollt, stimmt’s?

Kommt drauf an … Bei Romanen könnt ihr mit 5–6 Euro pro Seite für das Lektorat und 2–3 Euro für das Korrektorat rechnen. Lektorat ist hierbei definiert als: Die*der Lektor*in liest das Buch, so wie es ein*e Leser*in lesen würde, ebnet Stellen, über die sie*er stolpert, poliert den Stil, vergleich aber nicht Satz für Satz mit dem Original. Korrektorat ist definiert als: nur Tipp-, Rechtschreib- und Grammatikfehler korrigieren. Bei einem Fachtext braucht ihr eher eine*n andere*n Kolleg*in, die*der Original mit Übersetzung vergleicht; hierfür setzt man üblicherweise den halben Wort- oder Zeilenpreis der Übersetzung an. Wenn ihr also Kund*innen 1,80 Euro pro Zeile in Rechnung stellt, sind 1,25 Euro davon für euch und 0,60 Euro fürs Korrekturlesen.

Zur Berechnung eines angemessenen Stundensatzes spuckt Google eine Menge Ergebnisse aus. Eine Möglichkeit wäre dieser Rechner. Ich würde von mindestens 50 Euro pro Stunde ausgehen, 70–80 wären angebrachter, und nach oben hin sind kaum Grenzen gesetzt. Immer zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer.

Disclaimer: Das sind die Zahlen, die ICH persönlich ansetzen würde. Wenn ihr mich also fragt, wie ICH einen Text berechnen würde, wäre das meine Antwort. Ich erhebe nicht den Anspruch, das Maß aller Dinge zu sein.

X Tipps, wie Sie garantiert keine Aufträge erhalten – oder Kunden nach dem ersten Auftrag vergraulen

Viele freiberufliche Übersetzerinnen (Männer sind mitgemeint) können von ihrer Tätigkeit nicht leben. Wenn Sie auch an der Armutsgrenze rumkrebsen und nie auf einen grünen Zweig kommen wollen, hier die ultimativen Tipps:

  • Sparen Sie sich die Website. Wo kämen wir denn dahin, wenn jeder einfach nachlesen könnte, wer Sie sind, was Sie anbieten und wie Sie zu erreichen sind? Außerdem kostet eine Website ja Geld und/oder unbezahlte Arbeitsstunden. Braucht kein Mensch.
  • Seien Sie nicht erreichbar. E-Mails am Smartphone empfangen und womöglich zeitnah beantworten? Iwo! Warten Sie mindestens einen Tag, dann ist der Auftrag ganz bestimmt anderweitig vergeben.
  • Wenn Sie Ausschreibungen beantworten, wenn zum Beispiel eine Kollegin in einer Facebook-Gruppe nach jemandem sucht, antworten Sie auf gar keinen Fall per E-Mail, nur weil die suchende Kollegin darum bittet, sondern immer per Privatnachricht oder Kommentar. Immer wieder gern genommen sind auch Freundschaftsanfragen. Verfassen Sie Ihre Antwort so knapp wie möglich! „Ich hätte Zeit“ reicht völlig aus; niemand will wissen, warum Sie für gerade diesen Text geeignet sind und welche Fachkenntnisse Sie vorweisen können. Und wenn doch, soll die Kollegin gefälligst nachfragen! Die kann schließlich froh sein, dass Sie überhaupt Zeit haben!
  • Geben Sie konkrete Angebote auf Anfragen ab, ohne den Text gesehen zu haben. Oder noch besser: Fragen Sie den Kunden, was er zahlt. Da hört man doch gleich den Profi heraus! Und ein Profi kann schließlich alles, einschließlich hellsehen!
  • Nennen Sie anfragenden Direktkunden unbedingt Zeilenpreise. Kunden, die sonst nie etwas mit Übersetzungen zu tun haben, finden es total super, sich vor Auftragsvergabe lange damit zu beschäftigen, wie man die Zeilen berechnet und was die Übersetzung denn nun am Ende kosten wird. Und zählen Sie die Zeilen unbedingt im Zieltext, um die Rechnung für den Kunden noch undurchsichtiger zu machen.
  • Wenn der Kunde Ihnen wider Erwarten den Auftrag erteilt, bestätigen Sie diesen auf keinen Fall. Der kann ruhig ein bisschen zittern. Außerdem haben Sie so immer das Schlupfloch, einfach zu behaupten, Sie hätten den Auftrag gar nicht angenommen und müssten deshalb auch nicht liefern.
  • Wenn Sie den Auftrag denn doch erledigen, freuen sich gerade Direktkunden ganz besonders, wenn Sie mehrere Übersetzungsvorschläge für ein und denselben Satz liefern, damit er sich die beste Version aussuchen kann. Auch, wenn er die Zielsprache gar nicht spricht. Machen Sie das bei jedem einzelnen Satz. Schließlich ist es sein Text und er soll die Wahl haben!
  • Stellen Sie bloß keine Fragen zum Text. Übersetzen Sie einfach, was da steht, ohne nachzudenken. Wenn das Ergebnis am Ende unbrauchbar ist, ist das ja nicht ihr Problem.
  • Deadlines sind was für Anfänger. Wenn der Kunde sagt, er brauche die Übersetzung bis Donnerstag, meint er natürlich Donnerstag um 23.59 Uhr. Liefern Sie auf keinen Fall früher! Gerne sollten Sie die Deadline auch überziehen; ohne den Kunden im Vorfeld darüber zu informieren, versteht sich. Ist nicht Ihr Problem, dass er es eilig hat.
  • Lassen Sie jede Kritik an sich abprallen. Schieben Sie die Schuld immer auf den Kunden oder den Text oder die Technik oder was weiß ich. Sie können nichts dafür! Egal, worum es geht. Belehren Sie den Kunden ausführlich darüber, was er alles verkehrt gemacht hat, sodass Sie gar nicht anders handeln konnten und Ihre Fehler deshalb seine Schuld sind. Wählen Sie dafür gerne einen höhnischen Tonfall.
  • Legen Sie sich eine Attitüde zu und lassen Sie diese raushängen. Sie sind Künstlerin! Und niemand versteht Künstler! Weil alle anderen Banausen sind! Und da andere Sie als Künstlerin eh nicht verstehen, müssen Sie auch nichts erklären. Seufzen Sie bei Nachfragen einfach und reagieren Sie möglichst angepisst und überheblich.
  • Noch besser: Stellen Sie sich tot. Das ist praktisch jederzeit möglich: Bei der Anfrage, bei der Auftragserteilung, mitten in der Auftragsbearbeitung, bei Kritik … Totstellen wirkt immer.
  • Lästern Sie über Kolleginnen und Kunden. Am besten öffentlich, aber auch gern beim Kunden. Machen Sie Kolleginnen schlecht, lästern Sie über den beschissenen Text des Kunden, völlig egal. Hauptsache, Sie ziehen ordentlich über andere her. Darüber lacht man doch gerne!
  • Betonen Sie dem Kunden gegenüber bei jeder Nachfrage nach Lieferung des Textes immer wieder, dass Sie überhaupt gar keine Zeit haben, weil sich auf Ihrem Schreibtisch die Arbeit stapelt. Kunden finden es total super, wenn sie merken, dass sie nur einer von vielen sind und auf sie und ihre Wünsche nicht eingegangen wird. Lassen Sie sich nichts anderes einreden! Sie müssen immer einen total beschäftigten und gestressten Eindruck machen. Auch wenn Sie eigentlich nur Däumchen drehen und den Kunden auflaufen lassen möchten.
  • Pochen Sie auf sofortige Begleichung der Rechnung und machen Sie einen Riesenaufstand, wenn Ihnen Ihre Bank 2 Cent Gebühren berechnet. Das hätte der Kunde schließlich vorher wissen müssen, auch wenn es Ihre Bank ist, und hätte die Gebühren gleich mitüberweisen müssen! Und 2 Cent sind viel Geld! Nur weil Sie permanent wahnsinnig beschäftigt sind, heißt das ja nicht, dass Sie auf 2 Cent verzichten können!

Befolgen Sie diese Tipps und Sie werden nie wieder arbeiten müssen. Aber jammern Sie natürlich, dass Ihre Arbeitslosigkeit an der wirtschaftlichen Lage und an den bösen Kunden liegt! Denn Sie selbst haben ja nie Schuld!