Kostenlose Girokonten für Freiberufler

Ich habe aufgeräumt. Und werfe gerne Sachen weg. Und habe im Zuge der SEO-Workshops an meinen Websites ein wenig rumsuchmaschinenoptimiert. Und so kam es, dass ich einen ganzen Schwung Posts meines Blogs unter www.miriam-neidhardt.de/blog gelöscht habe. Als ich damals anfing zu bloggen, habe ich einfach geschrieben, was mir in den Sinn kam; manches hatte gar nichts mit dem Übersetzen zu tun und viele Beiträge richteten sich an Kolleginnen. Im Blog meiner Hauptseite möchte ich nun aber nur noch für potenzielle Kunden Relevantes verbloggen; für Tipps für Kolleginnen habe ich ja dieses Blog zum Buch hier.

Einer der gelöschten Beiträge über kostenlose Geschäftskonten für Freiberufler jedoch war recht beliebt, wurde viel gelesen und war auch durchaus interessant; wenn auch inzwischen veraltet. Und deshalb hier eine aktuelle Fassung:

Brauche ich als Freiberufler ein separates Geschäftskonto?

Jain. Es gibt keine „Geschäftskundenpflicht“ für Freiberufler. Im Prinzip reicht ein Girokonto für alle privaten und geschäftlichen Einnahmen und Ausgaben aus. Es ist aber anzuraten, Privates und Geschäftliches zu trennen:

  1. Die meisten Girokonten dürfen nur privat genutzt werden. Bei Kontoeröffnung geben Sie in der Regel an, das Konto rein privat zu nutzen. Nutzen Sie es dann dennoch geschäftlich, kann es vorkommen, dass Sie ein Schreiben der Bank erhalten mit der Aufforderung, die geschäftliche Nutzung umgehend einzustellen, sonst wird das Konto gekündigt. Das kann manchmal Jahre dauern! Mir ist es so bei der DKB passiert.
  2. Im Falle einer Steuerprüfung müssen Sie eventuell alle Kontoauszüge präsentieren, um nachweisen zu können, dass Sie wirklich alle Einnahmen versteuern. Haben Sie nur ein Konto, hat das Finanzamt damit auch Einblick in all Ihre privaten Kontobewegungen. Und wenn Sie mal etwas bei eBay verkaufen, müssen Sie womöglich belegen, dass es sich hier um eine private Einnahme handelt. Im besten Fall ist das nur lästig; im schlechtesten Fall wird es teuer.
  3. Mit zwei Konten haben Sie schlicht einen besseren Überblick über Ihre Finanzen. Ich überweise mir ein monatliches „Gehalt“ von meinem Geschäfts- auf mein Privatkonto. So habe ich, wie eine Arbeitnehmerin, ein monatliche Budget. Was am Jahresende und nach Steuern noch auf dem Geschäftskonto liegt, ist Überschuss und kann für die Altersvorsorge zurückgelegt werden.

Kostenlose Girokonten für den Privatgebrauch:

DKB. Seit vielen Jahren meine Lieblingsbank. Mit der Kreditkarte kann man überall auf der Welt und an jedem Automaten kostenlos Geld ziehen. Das ist ganz schön praktisch. Die App ist schön übersichtlich, und wenn man schon mal bei der Bank ist, kann sich auch ein Tagesgeldkonto und ein Depot zulegen, wenn man möchte. Für das Tagesgeldkonto gibt es zzt. nur 0,01 % Zinsen, aber manchmal ist es ja schon praktisch, wenn das Geld, das als Rücklage dient, auf einem anderen Konto liegt. Außerdem kann man Girokonten für die Kinder eröffnen, wenn man welche hat und das möchte; auch diese werden schön übersichtlich in der App angezeigt. Auch die Kinder haben dann eine eigene Maestro- und eine VISA-Karte (auf reiner Guthabenbasis), mit denen sie on- und offline bezahlen und Geld am Automaten ziehen können. Finden meine ziemlich cool. Pünktlich am 18. Geburtstag verschwindet das Kinder-Girokonto aus der Eltern-App.

Die DKB bietet zwar auch ein kostenloses Geschäftskonto, aber nur für Ärzte, Steuerberater und so – nicht für Übersetzer.

Tomorrow: Die umweltfreundliche Bank. Mir fehlt die persönliche Erfahrung, aber würde ich noch ein privates Girokonto brauchen, würde ich Tomorrow ausprobieren. Die Nutzung als Geschäftskonto ist nicht erlaubt.

Kostenlose Girokonten für den Geschäftsverkehr:

All diese Konten dürfen sowohl privat als auch geschäftlich genutzt werden:

N26: Mein Lieblings-Geschäftskonto, das ich für alle Einnahmen und Ausgaben als Übersetzerin und Korrekturleserin verwende. Übersichtliche App, schicke Kreditkarte, die ich über die App deaktivieren kann, weil ich sie eh nicht nutze. Nachteil: Es sind nur Buchungen in Euro möglich. Möchte man Fremdwährungen empfangen oder überweisen, benötigt man Wise (ehemals Transferwise).

Kontist: Das Girokonto bei Kontist habe ich eröffnet, als es über eine Schnäppchenseite mal 100 Euro dafür gab 😊 Seitdem nutze ich es für die Einnahmen aus dem Marktplatz für Musterübersetzungen. Wie bei N26 sind auch bei Kontist nur Sepa-Überweisungen in Euro möglich.

Revolut: Das Girokonto bei Revolut habe ich mir für Überweisungen in Fremdwährungen angeschafft. Die Gebühr für den Währungsumtausch liegt bei 0,5 %; hinzu kommt eine Gebühr für die „Internationale Zahlung“, die je nach Währung zwischen 0,3 % und 5 Euro beträgt. Der Betrag wird aufgeschlüsselt angezeigt, bevor man die Überweisung bestätigt. Revolut sitzt seit dem Brexit nicht mehr in GB, sondern in Litauen.

Wise: Wise hieß früher Transferwise und ist ausgesprochen praktisch für Zahlungsaus- und -eingänge in Fremdwährungen. Mit dem Multiwährungskonto hat man quasi mehrere Girokonten in mehreren Ländern; so habe ich ein US-Konto, auf das meine Agentur in den USA meine Monatsrechnung bezahlt, und auch Konten in Kanada, GB und in der Schweiz. Auftraggeber können also in ihrer Währung auf ein Konto in ihrem Land zu ihren inländischen Gebühren überweisen, und ich kann den Betrag dann in der App entweder in der entsprechenden Währung ausgeben (wenn ich mal etwas in den USA bestelle) oder in Euro auf mein Girokonto überweisen. Die Gebühren richten sich nach Währung und Land; bei Zahlungseingang aus den USA z. B. werden 0,43 % plus 7,50 USD berechnet, für den Zahlungsausgang nach USA 0,41 % plus 0,95 Euro. Wie bei Revolut werden die Gebühren sauber aufgeschlüsselt angezeigt.

 

PayPal: PayPal ist ungemein praktisch, aber auch echt teuer, gerade, wenn es um Fremdwährungen geht. Bis zu 10 % fallen für Währungsumtausch und Überweisung an. Auch bei PayPal ist anzuraten, sich zwei Konten zuzulegen: ein privates und ein geschäftliches. Ich nutze PayPal für den Zahlungseingang von Privatkunden, die eine Urkundenübersetzung benötigen, sowie für Zahlungen von Kunden meiner Onlineshops. Na ja, und zum Online-Shoppen natürlich 😉

 

Uff, 5 Girokonten habe ich somit. 5 Apps auf dem Handy. Plus zweimal PayPal. Plus meine Amazon-Kreditkarte samt App; mit der Amazonkarte zahle ich praktisch alles, was privat ist, und erhalte 0,5 % bzw. 3 % als Cashback. So viele Konten braucht man natürlich nicht wirklich. Aber ein Privat- und ein Geschäftskonto sollten schon sein!

4 Gedanken zu „Kostenlose Girokonten für Freiberufler

  1. Hey also erstmal muss ich mich bedanken, weil ich durch dich einen menge Zeit gespart habe. Vielen Dank an dieser Stelle.
    Ich finde es auch übersichtlicher wenn man zwei Konten hat. Man kann bei der gleichen Bank überigends auch zwei Konten gleichzeitig haben.
    Mit N26 habe ich nicht so gute erfahrungen da manche Banken eine Überweisung an N26 blockieren, weil diese Bank gerne von Betrüger genutzt wird.
    Ist das bei dir auch schonmal vorgekommen?

  2. Ein wirklich feiner Artikel, allerdings muss ich hier noch was ergänzen.
    Gerade als Selbstständige Person oder als Geschäftsperson kommt es ja das ein oder andere Mal vor, dass der Kunde mit Bargeld bezahlen möchte.
    Demzufolge müsste man diese (zumindest bei größeren Beträgen) bei der Bankeinzahlen können. Das ist leider bei den wenigsten Direktbanken kostenlos.
    Natürlich ist das immer noch wesentlich günstiger als bei der Hausbank oder Sparkasse, aber das sollte man auch im Hinterkopf haben.
    Vielleicht kennt der ein oder andere ja ein paar Tricks oder Möglichkeiten wie man Bargeld kostenlos einzahlen kann.

  3. Hey Miriam da hast du aber echt gut rechachiert.
    Interessant wäre auch die Vivid Bank. Da kann man bis zu 10 kostenlose Girokonten erstellen, ohne Mindestgeldeingang und co.
    Eine Visa Karte ist inklusive und man kann auch Konten mit mehreren Währungen eröffnen.

    LG Sara

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