Interview-Reihe Teil 9: Erik Hansson

Erik Hansson ist gebürtiger Schwede und wohnt seit 1991 in Deutschland. Er ist professioneller Übersetzer für Deutsch ins Schwedische und spezialisiert auf technische Bereiche wie erneuerbare Energien, Automatisierung und Maschinenbau.

Eines seiner Steckenpferde ist es, die Professionalität in der Übersetzungsbranche zu stärken und das unternehmerische Bewusstsein unter freiberuflichen Kollegen zu unterstützen. Erik ist außerdem auch aktiv auf Twitter sowie Gründer der bekannten Facebook-Gruppe Things Translators Never Say, kurz TTNS, die mittlerweile über 14.000 Mitglieder zählt.

info@hansson.de | www.hansson.de

Wie kamst du auf die Idee, Übersetzer zu werden?

Der Weg ging nicht geradeaus, also muss ich erst etwas ausholen. Schon als Kind habe ich mich für fremde Länder, Sprache und Kulturen interessiert. Neben Englisch ab der 3. Klasse habe ich ab der 7. Klasse außerdem Deutsch als zweite Fremdsprache gelernt. Sprachen lernen fiel mir sowieso immer recht leicht. Da ich aber recht früh verstand, dass neben Sprachkenntnissen auch Fachwissen erforderlich ist, habe ich danach das technische Gymnasium mit Schwerpunkt auf Elektrotechnik besucht. Danach folgten Studien in Politologie, Statistik und VWL – also eher aus dem nicht-technischen Bereich.

In den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren bereiste ich Student ziemlich oft Ost- und Mitteleuropa. So lernte ich hier meine deutsche Freundin kennen und entschloss mich schließlich Anfang der 90er-Jahre von Schweden nach Deutschland zu ziehen.

Kurz nach meinem Umzug nach Deutschland begann ich mehr oder weniger zufällig als Englischlehrer bei verschiedenen privaten Bildungsträger. Es stellte sich heraus, kurz nach der deutschen Wiedervereinigung, dass es in den fünf neuen Ländern eine große Nachfrage nach Englischlehrern in Fort- und Weiterbildungskursen für Arbeitslose gab. Recht bald begann ich, mein Sprachdienstleistungsgeschäft aufzubauen, das sich auf verschiedene Sprachdienstleistungen konzentrierte und Schulungen, Übersetzungen und Dolmetschleistungen umfasste. Schon nach ein paar Jahren hatte ich immer mehr Übersetzungsaufträge, sodass ich Ende der Neunzigerjahre beschloss, den Unterrichtssektor mehr oder weniger zu verlassen und mich ganz auf das Übersetzen zu konzentrieren. Ich bin also der klassische Seiteneinsteiger in der Übersetzerbranche.

Heute übersetze ich hauptsächlich technische Texte aus den Bereichen Maschinenbau, Anlagenbau und erneuerbare Energien.

Wie hast du deine Spezialisierung gefunden und wie hast du dich dann in diesem Fachbereich spezialisiert?

Wie bei vielen Kollegen ergab sich meine Spezialisierung eher durch Zufall. Zu meinen ersten Kunden gehörten verschiedene Hersteller von Werkzeugmaschinen, die ihre Produkte nach Schweden exportieren. Durch meine technische Ausbildung war mir dieser Fachbereich mit Metallverarbeitung nicht ganz fremd, und so konnte ich nach und nach mein Wissen ausbauen. Zu jedem neuen Fachbereich, der mir liegt, und in dem ich mich spezialisieren möchte, gehe ich auch ähnlich vor:

  • relevante Fachliteratur suchen
  • Kataloge vom Kunden und deren Wettbewerbern (in meinen Arbeitssprachen) wälzen
  • mich über neue Gesetzgebungen und Richtlinien informieren
  • Fachmessen besuchen und mit Fachleuten über neue Entwicklungen fachsimpeln

Wie kamst du an deinen allerersten Auftrag?

Der allererste Auftrag war ein kleiner Tourismustext von einer Kleinstadt in Mecklenburg-Vorpommern, die Besucher aus Schweden anlocken wollte. Wenn ich mich richtig erinnere, war es das Ergebnis einer Kaltakquise-Aktion. Der Auftrag an sich war recht interessant und auch lehrreich, aber hinterher wusste ich, dass ich mich auf Technik statt Marketing konzentrieren sollte.

Arbeitest du vorwiegend mit Agenturen oder mit Direktkunden und hat sich das im Lauf der Zeit geändert?

Von Anfang an strebte ich danach, Kunden aus beiden Segmenten zu finden. Momentan sind es zwar mehr Agenturen als Endkunden, allerdings mache ich ständig Akquise, sodass sich das Verhältnis über die Zeit ändern könnte. Für mich ist es eher wichtig aufzupassen, dass kein Kunde für 20 % oder mehr des Umsatzes aufkommt. Alle Eier in einen Korb zu legen ist niemals gut!

Was liebst du an deinem Job am meisten?

Das ist definitiv die tägliche Abwechslung: am Montag die Bedienanleitung zu einer Flaschenabfüllanlage, am Mittwoch die technische Produktbeschreibung einer Alarmanlage für ein Eigenheim und am Freitag die Installationsanweisung zu einer vollautomatisierten Bestückungsanlage für ein Hochregallager. Es wird nie langweilig!

Was hasst du an deinem Job am meisten?

Die zunehmend schlechte Zahlungsmoral und dass ich meinem Geld hinterherrennen muss. Direkte Zahlungsausfälle kommen zum Glück äußerst selten vor, z. B. wenn ein Endkunde insolvent wird. Der Erfindungsreichtum, wenn es um Gründe für die nicht pünktliche Begleichung einer Rechnungen geht, ist schon erstaunlich. Der Klassiker ist, dass die Rechnung nicht eingetroffen ist, und dies obwohl sie zusammen mit der Übersetzung geliefert wurde. Auch die Begründung von manchen Agenturen, dass die Rechnung nicht beglichen werden kann, weil der Endkunde nicht bezahlt hat, zieht bei mir nicht. Der Kunde meines Kunden ist nicht mein Kunde. Eine pünktliche Lieferung setzt auch eine pünktliche Begleichung voraus.

Welchen Tipp würdest du anfangenden Kolleginnen geben?

Ein gut funktionierendes Netzwerk unter Kollegen ist das A und O. Einige meiner besten Kunden habe ich übrigens durch Empfehlung von Kollegen, die diese Kunden mit anderen Sprachkombinationen bedienen. Gute Gelegenheiten bieten Übersetzerkonferenzen, Stammtische oder Seminare – und auch online in diversen Foren und Gruppen.

Auch wenn einige das Wort nicht gern in den Mund nehmen: Wir sind Unternehmer. Um potentielle Kunden zu überzeugen, ist es daher wichtig, auf allen Ebenen professionell zu agieren. Dies fängt bei der Online-Präsenz an (Profilseite oder Webseite), geht über die Erstellung von Angeboten und Kalkulationen weiter und schließt sich durch die pünktliche Lieferung der Übersetzung ab. Unsere Leistungen werden zeitnah abgerechnet und wir erwarten auch eine pünktliche Begleichung der Rechnungen. Dies wird auch so unmissverständlich dem Kunden kommuniziert.

Nur mit einem professionellen Auftreten können wir auch erwarten, dass der Kunde uns auf Augenhöhe begegnet.

Richtlinie zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32011L0007&from=EN

Gesetz zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr

https://www.haufe.de/recht/weitere-rechtsgebiete/wirtschaftsrecht/gesetz-zur-bekaempfung-des-zahlungsverzugs-im-geschaeftsverkehr_210_269632.html

Wie hast du es geschafft, dir ein berufliches Netzwerk (zu Firmen, aber auch zu Kollegen) aufzubauen?

Firmenkontakte:

  • Aufmerksam die Wirtschaftsnachrichten lesen, mit Schwerpunkt auf neue Kooperationen zwischen Deutschland und Schweden. Firmen und Ansprechpartner recherchieren, einfach anschreiben und meine Dienstleistungen anbieten.
  • bei Fachmessen und IHK-Veranstaltungen die Firmenvertreter ansprechen

Kollegen:

  • immer wieder das Gespräch mit Kollegen bei Seminaren, Stammtischen und Konferenzen suchen

Welchen Tipp hast du für die erfolgreiche Kundenakquise?

Unbedingt ein erfolgreiches und aktives Kollegennetzwerk aufbauen. Ausreichend Geduld bei der Akquise, da manche der angeschriebenen Firmen nicht innerhalb eines Monats Bedarf an Übersetzungen haben, sondern vielleicht erst in zwei Jahren. Bei bestehenden Kunden, die eine längere Zeit nicht bestellt haben, lohnt es sich manchmal, sich kurz in Erinnerung zu bringen.

Was würdest du an deiner Ausbildung/an deinem Werdegang heute anders machen, wenn du könntest?

Jetzt wenn ich nachdenke, gibt es eigentlich nichts, was ich ändern möchte.

Was war deine bisher beste Anschaffung?

Meine beste Anschaffung ohne Zweifel war eine USV (unterbrechungsfreie Spannungsversorgung), die ich direkt zwischen der Netzversorgung und meinem Arbeitsrechner anschließe. Mit diesem Gerät kann ich nicht nur bei einem plötzlichen Stromausfall weiterarbeiten. Es hat mich außerdem schon mehrmals davor bewahrt, dass mein Rechner bei Gewitter durchbrannte. Eine kleine Investition mit großem Nutzen.

Wie hältst du dich auch als alter Hase auf dem Laufenden?

Vor allem bleibe ich immer neugierig und lese viel Fachliteratur. Neben verschiedenen Veranstaltungen für Übersetzer und Fachleute aus „meinen Fachbereichen“, halte ich mich ständig à jour mit Neuentwicklungen in meiner Muttersprache. Dies ist besonders wichtig für alle, deren Zielsprache nicht in dem Land gesprochen wird, in dem man wohnt. Fast jeden Tag schaue ich schwedisches Fernsehen und lese außerdem aktuelle Nachrichten und verfolge gesellschaftliche Debatten.

Welche Bücher und/oder Veranstaltungen kannst du empfehlen?

Ratgeber, die sich an verschiedene Leser wenden, gibt es mittlerweile viele. An dieser Stelle möchte ich auf alle Fälle empfehlen:

Confessions of a Freelance Translator: Secrets to Success von Gary Smith.

Ansonsten lege ich es jedem Kollegen nahe, sich die Angebote an Webinars beim BDÜ, DVÜD und ADÜ Nord anzuschauen. Es wird eine Fülle an Weiterbildungsveranstaltungen angeboten, und einige sind sogar kostenlos. Wer auf der Suche nach Endkunden ist, findet manchmal interessante Events bei der örtlichen IHK oder den jeweiligen Außenhandelskammern (AHK).

Interview-Reihe Teil 8: Kerstin Fricke

Kerstin Fricke übersetzt Romane, Sachbücher und Graphic Novels sowie Games aus dem Englischen ins Deutsche und lektoriert neben deutschsprachigen Büchern auch Übersetzungen englisch- und französischsprachiger Autor*innen. Ihre berufliche Website ist unter www.kf-uebersetzungen.de zu finden, während sie auf ihrem Blog »Die Wortspielerin« rezensiert, aus dem Arbeitsalltag plaudert und allerlei Nerdiges vorstellt.

 

Wie kamst du auf die Idee, Übersetzerin zu werden?

Zum Übersetzen von Computerspielen kam ich während meines Informatikstudiums als Nebenjob, und mir wurde schnell klar, dass mir das viel mehr Spaß macht als alles, was mich nach meinem Abschluss erwartet hätte – und so habe ich mich schließlich selbstständig gemacht.

Wie hast du deine Spezialisierung gefunden und wie hast du dich dann in diesem Fachbereich spezialisiert?

Die Spezialisierung Computerspiele war naheliegend, schließlich habe ich schon immer gern gespielt und hatte dank des Nebenjobs nicht nur Erfahrung vorzuweisen, sondern auch erste Kontakte innerhalb der Spielebranche.

Mein zweites Standbein Literatur musste ich mir hingegen über einen längeren Zeitraum aufbauen. Romane zu übersetzen stellte ich mir als Leseratte schon immer traumhaft vor (da stimmen Wunsch und Wirklichkeit aber zugegebenermaßen nicht immer überein 😉), und im Laufe der Zeit kristallisierten sich durch diverse Aufträge die Genres heraus, die mir am meisten liegen.

Arbeitest du vorwiegend mit Agenturen oder mit Direktkunden und hat sich das im Lauf der Zeit geändert?

Im Spielebereich hat sich das lange Zeit die Waage gehalten, aber da viele Agenturen immer weiter mit den Preisen runtergegangen sind und ich irgendwann feststellen musste, dass mir vieles in dieser Branche zu stressig wird, übernehme ich jetzt nur noch sehr wenige, ausgesuchte Spiele hauptsächlich für Direktkunden.

Bücher übersetze und lektoriere ich fast ausschließlich für Verlage und Selfpublisher; da kommt mir nur ganz selten im Sachbuchbereich mal eine Agentur unter.

Was liebst du an deinem Job am meisten?

Dass er so unglaublich abwechslungsreich ist und dass ich mir die Zeit frei einteilen kann.

Zwar stimmt der Spruch »Kein Projekt ist wie das andere« nur bedingt, da sich innerhalb der Romangenres schon vieles wiederholt oder in ähnlicher Form vorkommt, aber man hat es doch immer wieder mit neuen Themen, einem anderen Stil und spannenden Rechercheaufgaben zu tun, und wenn ich beispielsweise einen richtig gut geschriebenen und spannenden Krimi übersetze, den ich auch privat gern lesen würde, fliegen die Seiten oftmals nur so dahin.

Außerdem bin ich als notorische Nachteule froh, nicht morgens um acht am Schreibtisch sitzen zu müssen. Ich genieße die Freiheit sehr, mich auch tagsüber mit Kolleg*innen zu treffen oder an schönen Tagen einfach mal vor die Tür gehen zu können, gerade wenn ich mal wieder an einer Stelle nicht vorankomme, weil mir z. B. keine passende deutsche Redewendung einfällt, und hänge dafür gern abends ein paar Stunden am Schreibtisch dran.

Was hasst du an deinem Job am meisten?

In der Spielebranche war das eindeutig der Stress – manche Auftraggeber schienen zu glauben, ich würde nur für sie arbeiten und hätte kein Problem damit, mir für wenig Geld bzw. keine Zuschläge die Nächte und Wochenenden um die Ohren zu schlagen.

Bei Büchern ärgere ich mich am meisten über zu übersetzende Originale, die nicht lektoriert wurden, sodass ich für die deutsche Fassung massenhaft Fehler, falsche Bezüge und diversen anderen Blödsinn herausfiltern muss – und ich frage mich jedes Mal, ob die Bücher tatsächlich so erschienen sind (was ich befürchte).

Was war dein bisher schönstes Übersetzungsprojekt?

Eigentlich immer das, das ich gerade abgegeben habe. :D

Gut, es gab schon einige, die aus der Masse herausragen. Mir haben Spiele immer großen Spaß gemacht, die ich ohnehin selbst spielen wollte (beispielsweise World of Warcraft, Mass Effect oder Star Wars: Knights of the old Republic), während es im literarischen Bereich vor allem Romane wie Blake Crouchs Psychose, Beth Lewis‘ Wolf Road oder The Shape of Water von Guillermo del Toro und Daniel Kraus waren, also Bücher, die sich durch besondere, nicht alltägliche Geschichten auszeichnen oder die einfach gut geschrieben sind.

Welchen Tipp würdest du anfangenden Kolleginnen geben?

Traut euch! Nehmt Projekte an, die euch interessieren, und fragt um Rat, wenn ihr nicht weiterwisst. Jeder hat mal angefangen, und es ist keine Schande, etwas nicht zu wissen. Wagt es aber ebenso, Nein zu sagen, wenn euch Aufträge angeboten werden, die euch in irgendeiner Hinsicht überfordern, oder wenn der Preis nicht stimmt. Denn auch als Anfänger muss man sich nicht unter Wert verkaufen!

Ganz wichtig ist außerdem: Lernt aus euren Fehlern! Dass welche passieren, lässt sich nicht vermeiden, aber nutzt sie als Chance, um es beim nächsten Mal besser zu machen. Daher solltet ihr auch kritikfähig sein: Ich erlebe es beispielsweise beim Lektorieren häufig, dass Übersetzer*innen sich persönlich angegriffen fühlen, wenn ich etwas ändere oder Verbesserungsvorschläge anbringe, dabei stehen doch alle auf derselben Seite und wollen letzten Endes nur das bestmögliche Buch oder Spiel auf den Markt bringen und sich nicht gegenseitig an den Karren fahren.

Wie hast du es geschafft, dir ein berufliches Netzwerk (zu Firmen, aber auch zu Kollegen) aufzubauen?

Netzwerke unter Kollegen sind unglaublich wichtig, nicht nur zum Erfahrungsaustausch, sondern auch, um bei Bedarf Unterstützung zu erhalten. Auch die sozialen Netze wie Facebook und Twitter darf man in dieser Hinsicht nicht unterschätzen, und natürlich ist das Allerwichtigste, sich auch mal persönlich zu treffen – da haben sich Regionaltreffen von Berufsverbänden, Stammtische und Messen für mich als unschätzbar erwiesen. Im persönlichen Gespräch bekommt man oftmals Dinge mit, die man nicht unbedingt auf die Website schreibt, und meiner Ansicht nach arbeitet man auch besser zusammen, wenn man das Gegenüber wenigstens mal gesehen hat und ansatzweise weiß, wie der Mensch tickt.

Als ich die Anfrage bekam, ein komplettes Buchprojekt zu betreuen (also eine druckfertige Fassung zu liefern, die übersetzt, lektoriert, korrigiert und gesetzt ist), musste ich nicht lange überlegen, sondern hatte schnell ein kompetentes Team an der Hand, mit dem ich inzwischen schon über zehn solcher Projekte gestemmt habe – einfach, weil ich genau wusste, dass diese Menschen der Aufgabe gewachsen waren und absolut zuverlässig sind.

Welchen Tipp hast du für die erfolgreiche Kundenakquise?

Die Kundenakquise ist etwas sehr Individuelles, habe ich festgestellt, und zudem auch äußerst branchenabhängig. Insofern gibt es da keinen Kardinalweg, schlichtweg, weil bei jedem etwas anderes funktioniert. Oftmals ist ein Quäntchen Glück dabei (beispielsweise wenn man einem Verlag eine Blindbewerbung schickt, obwohl einem jeder sagt, dass das vollkommen sinnlos wäre, dort aber gerade für ein ganz bestimmtes Projekt jemand gesucht wird, der eine besondere Nischenerfahrung aufweist, mit der man zufälligerweise punkten kann), aber im Großen und Ganzen muss da jeder seinen eigenen Weg finden. Was sich für mich eindeutig bewährt hat, ist das Netzwerken. Rede über deine Spezialisierungen, deine Interessen oder deine ungewöhnlichen Hobbys, stehe zu deinem Nerdtum oder was auch immer dich ausmacht, denn mit etwas Glück prägt sich das ein und der andere erinnert sich an dich, wenn ein entsprechendes Projekt ansteht.

Was war deine bisher beste Anschaffung?

Es gibt einige Dinge, ohne die ich nicht mehr arbeiten möchte, wie meine mechanische Gamingtastatur mit programmierbaren Tasten oder meine beiden 27-Zoll-Monitore. Ohnehin halte ich es für überaus vernünftig, beim »Arbeitsmaterial« auf Qualität zu achten. Ich habe mich z. B. lange mit diversen Headsets rumgeärgert und mir nun endlich ein anständiges Tischmikrofon zum Diktieren gekauft – und jetzt frage ich mich, wieso ich das nicht viel früher getan habe.

Bei der Software ist das abermals eine individuelle Frage, ich brauche das Adobe-Paket (vor allem Acrobat für effektives Korrigieren in PDFs und InDesign für Arbeiten direkt im Layout), aber für Romanübersetzungen kein CAT-Tool, dabei habe ich im Laufe der Jahre diverse gekauft; abgesehen davon besteht meine jüngste gute Anschaffung in einem erweiterten Webspace mit Cloud-Lösung, sodass ich nicht nur auf externen Festplatten, sondern einem eigenen, in Deutschland gehosteten Server Back-ups machen kann und mich nicht mit Drittanbietern rumschlagen muss.

Wie hältst du dich auch als alter Hase auf dem Laufenden?

Ich habe mich ja praktischerweise in Bereichen spezialisiert, die ohnehin zu meinen Hobbys gehören, insofern bilde ich mich bereits weiter, indem ich on- und offline zocke, um mich in Bezug auf die Gamersprache und aktuellen Begrifflichkeiten auf dem Laufenden zu halten, oder englische und deutsche Bücher lese, damit auch mein Sprachgefühl auf dem neuesten Stand bleibt. Darüber hinaus besuche ich inzwischen verstärkt Seminare und nutze Webinare oder Online-Tutorials zur Weiterbildung.

Interview-Reihe Teil 7: Gabi François

Gabi François kam nach unterschiedlichen beruflichen Tätigkeiten eher „schleichend“ als Quereinsteigerin zum Dolmetschen und Übersetzen. Es begann bei Treffen von Städtepartnerschaften während der Schulzeit und des Studiums und danach begleitete die Sprachmittlung sie durch ihre gesamte Berufstätigkeit in Rechtswesen, Touristik und Industrie. Seit 2004 ist sie freiberuflich tätig. Ihre Hauptsprachen sind Französisch und Englisch; für diese Sprachen ist sie auch bei Gericht ermächtigt.

 

Wie kamst du auf die Idee, Übersetzerin zu werden?

Eigentlich hatte ich mein Leben lang mit Fremdsprachen zu tun. Ich war anderthalb, als meine Tante, die nach Schottland geheiratet hatte, mit meiner gleichaltrigen Kusine ein paar Monate lang bei uns in Deutschland lebte. Am Ende verlangte Linda die „Flasche“ und ich die „bottle“.

Außerdem hatte eine andere Tante einen Niederländer geheiratet und meine Eltern hatten Freunde dort, die wir in den Ferien besuchten. Dann las ich den kleinen Kindern der Freunde ihre Bilderbücher vor und meine Aussprache erzeugte anfangs sehr viele, aber dann immer weniger Lacher. Auch das niederländische TV, das man in Deutschland lange unverschlüsselt sehen konnte, trug mit den untertitelten statt synchronisierten Filmen zu meinem unstrukturierten Spracherwerb bei.

Mein Vater, der ein großer Frankreichfan war (er hatte an der Schule Französisch als erste Fremdsprache), pflanzte mir früh die Liebe zu diesem Land und dessen Sprache ein. Der Boden für meine Ehe mit einem Franzosen war also gut vorbereitet. Da der Vater meiner Tochter unbedingt in Deutschland leben wollte, praktizierten wir Französisch als Familiensprache, sodass unser Kind zweisprachig aufwuchs.

Zunächst absolvierte ich eine typische „Höhere Töchter“-Ausbildung am Neusprachlichen Mädchengymnasium mit Englisch, Latein, Französisch und Spanisch, jedoch wenig MINT-Fächern. Nach dem Abitur studierte ich Französisch und Deutsch auf Lehramt, merkte in der Praxis aber schnell, dass das Lehrerdasein nicht meine Welt ist.

Später legte ich einen Zickzackkurs durch die Berufswelt zurück: während des Studiums als Schwesternhelferin im Krankenhaus, nach der Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten als Bürovorsteherin, dann als Sachbearbeiterin in der Touristik (u. a. im Unternehmen meines jetzigen Mannes) und schließlich 12 Jahre als Direktionsassistentin in einem internationalen Industriekonzern.

Als dieser Konzern von einem Wettbewerber geschluckt und der Standort Osnabrück auf die reine Produktion reduziert wurde, war ich mit 50 zu alt, zu schlau, zu teuer für eine andere Festanstellung. Also wagte ich den Sprung in die Selbständigkeit. Diesen Schritt habe ich nie bereut – zumal ich jetzt alles, was ich je gelernt habe, in meiner Selbständigkeit täglich ein- und umsetzen kann.

Wie hast du deine Spezialisierung gefunden und wie hast du dich dann in diesem Fachbereich spezialisiert?

Die Spezialisierung ergab sich quasi aus der während meiner Berufstätigkeit gesammelten Erfahrung:  Recht, Touristik, Technik. Da in dem Industrieunternehmen während meiner Anstellung zahlreiche Sanierungs- und Zertifizierungsprojekte durchgeführt wurden, kamen Managementwesen, Umweltrecht und -technik hinzu. Privat interessiere ich mich für Katzen, Kochen und Kleingärten. Die Familie meiner Mutter stammt von einem Bauernhof – so lag der Agrarbereich nahe. Mein Vater hatte vor dem Krieg Flugzeugbau studiert, und da ich keinen Bruder hatte, brachte er mir als der Ältesten alles über Technik bei, was er sonst an seinen Sohn weitergegeben hätte.

Wie kamst du an deinen allerersten Auftrag?

Das ergab sich bereits während meines Angestelltendaseins, weil ich mich 1989 bei Gericht ermächtigen ließ und nebenberuflich regelmäßig Aufträge von Anwälten, Notaren und Behörden erhielt.

Hinzu kamen Kontakte zu örtlichen Kollegen, die ich während meiner Angestelltenzeit mit größeren Projekten beauftragte, wenn ich selbst keine Zeit hatte. Das half mir nach meiner Gründung gut aufs Pferd.

Auch erfuhr ich viel Unterstützung von Dritten, vor allem durch eine mir bis dahin unbekannte Kollegin, der ich ein Wörterbuch abkaufte. Sie arbeitet zwar in anderen Sprachen und Fachgebieten als ich, versorgte mich aber mit jeder Menge Informationen über Foren und Mailinglisten, die mir den Einstieg sehr erleichterten.

Ich habe im Laufe meiner beruflichen Laufbahn in etliche Sparten hineingerochen, aber in keiner ist mir so viel Hilfsbereitschaft und Solidarität begegnet wie unter den Übersetzern. Das Schöne dabei ist, dass es ein echtes Geben und Nehmen ist.

Arbeitest du vorwiegend mit Agenturen oder mit Direktkunden und hat sich das im Lauf der Zeit geändert?

Ich habe von jeher darauf geachtet, möglichst breit aufgestellt zu sein. Nichts kann fataler sein, als wenn man sich auf einen Großkunden spezialisiert hat, der dann wegbricht. Zu meinen Kunden zählen Privat- und Firmenkunden, Agenturen und Kollegen, Verlage und NRO, Anwälte und Behörden …

Was liebst du an deinem Job am meisten?

  • die abwechslungsreichen Themen
  • die freie Entscheidung für oder gegen einen Auftrag
  • die freie Zeiteinteilung

Was hasst du an deinem Job am meisten?

Den Zeitdruck.

Was war dein bisher schönstes Übersetzungsprojekt?

Es gibt zwei, auf die ich besonders stolz bin – die mehrjährige sprachliche Begleitung des Umbaus eines denkmalgeschützten Hauses in Brüssel und ein Buch über Wildbienen: https://www.blv.de/natur-tiere/huehner-bienen/2159/wildbienen-entdecken-schuetzen

Welchen Tipp würdest du anfangenden Kolleginnen geben?

Aus voller Überzeugung: Lest Miriams Buch „Überleben als Übersetzer“, ruhig auch mehrmals. Es ist das Buch, das ich gern geschrieben hätte, aber Miriam war schneller und schreibt auch schöner als ich. Und das sage ich völlig ohne Neid!

Macht Netzwerkarbeit. Nutzt jede sich nur bietende Gelegenheit – beim Stammtisch in eurer Stadt, bei Weiterbildungen, bei Messebesuchen, bei Geburtstagen im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis. Wenn ihr verreist, seht zu, ob ihr das mit einem Stammtischtermin in einer anderen Stadt vereinbaren könnt: https://aticom.de/netzwerke/uebersetzerstammtische

Habt immer Visitenkarten dabei. Immer!

Legt euch einen Elevatorpitch zu: Ihr müsst in der Lage sein, innerhalb von maximal einer Minute zu erzählen, wie ihr euer Geld verdient. Dabei setzt ihr die wichtigste Information gleich an den Anfang und wiederholt sie am Ende noch einmal. Die Visitenkarte, die ihr bereits griffbereit habt, wird am Ende übergeben.

Arbeitet euch sprachlich in Bereiche ein, für die ihr brennt. Macht daraus euer Spezialgebiet und schafft euch mit dieser Nische ein Alleinstellungsmerkmal.

Arbeitet in Tandems. Sucht euch nette, kompetente und zuverlässige Kollegen, mit denen ihr regelmäßig zusammenarbeitet – eine/r übersetzt, der/die andere liest Korrektur und umgekehrt. Vier Augen sehen mehr als zwei, und der Revisor hat einen ungetrübten Blick auf den Text, während der Übersetzer irgendwann betriebsblind wird, zumal bei längeren Texten. Das Ergebnis wird es euch danken.

Mit meinen Tandempartnern rechne ich das übrigens über ein Stundenkonto ab, das vermeidet Rechnungen und Buchungsvorgänge ist auch steuerlich unproblematisch, solange man es bei einer Prüfung nachvollziehbar vorlegen kann.

Weil in aller Regel die betriebswirtschaftliche Ausbildung beim Übersetzerstudium viel zu kurz kommt, empfehle ich die Mitgliedschaft im VGSD (auch kostenlos möglich). Dann hat man Zugriff auf die im Schnitt wöchentlich stattfindenden Webinare (dort Telko genannt) bzw. deren Aufzeichnungen, in denen BWL-Themen aller Art behandelt werden: https://www.vgsd.de

Fragt eure Bank nach einem kostenlosen Unterkonto und hinterlegt dort jeweils 15 bis 20 % eurer Umsätze. Dann seid ihr immer auf der sicheren Seite, wenn das Finanzamt die Hand aufhält, und zwar nicht nur für die Umsatzsteuer, sondern auch für Voraus- oder Nachzahlung von Einkommen­steuer. Und wenn es mal ganz dick kommt, habt ihr ein kleines finanzielles Polster, um kürzere Flauten heil zu überstehen.

Und macht regelmäßig eine Datensicherung!

Wie hast du es geschafft, dir ein berufliches Netzwerk (zu Firmen, aber auch zu Kollegen) aufzubauen?

Das liegt mir Gott sei Dank im Blut – ich bin so erzogen worden. Aber man kann das auch lernen. Einfach in kleinen Schritten beginnen. Zum Freischwimmen fängt man bei Leuten an, die vielleicht nicht so wichtig sind. Auch Familie und Freunde sind ein gutes Trainingsfeld. Wenn man mehr Sicherheit verspürt, kann man sich auch an potenziellen Kunden versuchen. Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben – da ist was dran. Also traut euch!

Dabei können diese Bücher hilfreich sein:

Welchen Tipp hast du für die erfolgreiche Kundenakquise?

Ich habe meine besten Kunden über Empfehlungen bekommen. Daher ist die Netzwerkarbeit so wichtig, damit man sich in der Branche einen Ruf aufbaut.

Was würdest du an deiner Ausbildung/an deinem Werdegang heute anders machen, wenn du könntest?

Nichts, das sollte alles wohl alles so kommen, wie es gekommen ist, und das war und ist für mich gut so. Wichtig ist vor allem, dass man immer und überall über den Tellerrand hinausschaut.

Was war deine bisher beste Anschaffung?

Die zahlreichen Fach- und Wörterbücher. Ganz im Ernst: Ich stoße dort auch heute noch immer wieder auf Informationen oder Begriffe, die ich nicht im Netz finde. Und in Büchern kann man auch bei Netzausfall nachschlagen. Also unterschätzt nicht das gedruckte Wort.

Wie hältst du dich auch als alter Hase auf dem Laufenden?

Ich bin chronisch neugierig. Ich bleibe heute noch auf dem Wochenmarkt stehen und lese das Einwickelpapier, wenn mir ein interessantes Wort ins Auge fällt.

Ich sammle Links zu wichtigen Informationen. Diese gebe ich per Rundmail an die Mitglieder des Osnabrücker Stammtisches weiter. So weiß ich immer, wo ich suchen muss, wenn ich denke: „Dazu gab es doch mal …“

Ich nehme regelmäßig an Veranstaltungen wie Vorträgen, Messen und Weiterbildungen teil, nicht nur an solchen für Übersetzer, sondern auch an fachbezogenen für die Experten. Ich lese Fachbücher und -magazine, sehe mir Berichte im TV oder Aufzeichnungen im Netz an und finde witzigerweise auch immer wieder gute Sachen in den Zeitschriften beim Arzt oder Frisör. Also Augen offenhalten!

Und damit gehen wir nahtlos zum nächsten Punkt über:

Welche Bücher und/oder Veranstaltungen kannst du empfehlen?

Egal – live and learn. Was für mich gut und wichtig ist, muss nicht für andere passen. Ich lerne zum Beispiel sehr viel besser bei Präsenzseminaren als bei Webinaren, weil ich dann aus dem Alltag heraus bin und nichts mich ablenkt.

Daher schalte ich beim Seminar auch meist das Tablet und immer das Smartphone aus (oder ich stecke es wenigstens in die Tasche). Notizen mache ich lieber von Hand und bereite sie zu Hause auf, das festigt das Gelernte auch besser.

Es gibt – außer „Überleben als Übersetzer“ – noch ein paar andere Bücher, die einem auf die Sprünge helfen können, wenn man nicht weiß, in welche Richtung man weitergehen soll, zum Beispiel:

Ich liste hier nur die deutschsprachigen auf. Bestimmt gibt es ähnliche Werke auch in eurer Arbeitssprache, einfach mal suchen.

Zum Schluss noch mein Lieblingsbuch übers Übersetzen:

Ich wünsche euch viel Freude und Erfolg bei eurem Weg in und durch die spannende Welt der Sprachmittlung.

Interview-Reihe Teil 6: Jacqueline Marcella Breuer

Jacqueline Marcella Breuer (bei Facebook vielen als Jackie Stech bekannt), verheiratet, 2 Töchter, ist in Frankreich und Deutschland aufgewachsen und machte Ihren Abschluss am FASK in Germersheim, nachdem sie weiterführende Ausbildungen in Florenz und Lissabon genossen hatte.

Schon während des Studiums befasste sie sich intensiv mit dem Interkulturellen Technical Writing und Qualitätssicherung/Spezialisierung im Übersetzungswesen. In den letzten 32 Jahren wurde sie, im Zuge kundenseitig erfolgter, betriebsinterner Umstrukturierungen, von ihren Übersetzungsgroßkunden aus der Industrie zunehmend als externe bzw. interne Projektmanagerin beauftragt. Von ursprünglich 4 „eigenen“ Sprachen (it, pt, fr und de) heißt es nun, neben den alltäglichen Arbeiten auch ein Kollegennetzwerk mit bis zu 21 Sprachen zu leiten.

Jacqueline Breuer schreibt Beiträge für Berufsverbandsveröffentlichungen und hält Vorträge zu den Themen Qualitätssicherung, Marketing für Übersetzer und Projektmanagement u. a. für den AITI (Verband der Ü. und D. Italien), an der Universität Mainz – FTSK Germersheim und verfasst Redaktionelle Beiträge für Fachmagazine aus dem Fachverlag Springer (München). Seit 2007 betreut die Freelancerin Praktikanten und ist eine leidenschaftliche Mentorin für Berufseinsteiger. Seit 2014 ist sie im BDÜ LV Nord für das Mentoringprogramm verantwortlich in dessen Rahmen sie regelmäßig in Hameln den Mentoringtag durchführt.

Jacqueline Marcella Breuer ist Mitglied im BDÜ, TEKOM, VDG.

Wie kamst du auf die Idee, Übersetzerin zu werden?

Ich bin im Elsass, also zweisprachig, groß geworden. Irgendwann sah ich im deutschen Fernsehen (das konnten wir in den 1960ern gut in Frankreich empfangen) einen Film, in dem Stewardessen vorkamen. Ich wollte fortan reisen, fremde Sprachen sprechen und Menschen bei Verständigungsproblemen helfen. Da war ich 8! Irgendwie dachte ich, man müsse Übersetzungswissenschaften dafür studieren. So kannte ich meinen Weg schon sehr früh: Baccalauréat (OK, wurde dann doch das deutsch Abi) – aus meinem Abi-Jahrgang bin ich tatsächlich die Einzige, die genau das wurde, wonach sie ihre LK-Kurse gewählt hatte – schließlich das FASK (heute FTSK) in Germersheim ( bewarb mich 1987 tatsächlich auch bei Airlines, nur um festzustellen, dass man dafür eher Hotelfach hätte lernen sollen. Stewardessen müssen nicht wissen, warum ein Flugzeug fliegt und welche Werkstoffe im Flieger verbaut sind).

Wie hast du deine Spezialisierung gefunden und wie hast du dich dann in diesem Fachbereich spezialisiert?

In Germersheim belegte ich als Ergänzungsfach „Technik“, ein Modul war dabei die Werkstoffkunde mit dem Urformen, Umformen, Fügen und Trennen. Vor der Abschlussprüfung ging ich mehrere Wochen zu meinem Onkel (Gießer alter Schule) in Klausur, um das Eisen-Kohlenstoff-Diagramm und so manch anderes gründlich zu lernen. Durch meinen Onkel kam ich dann zur Gießerei, und darüber nach und nach in angrenzende Fachbereiche. Ich habe in meinen 33 Jahren Freelancer-Dasein fast nur für die Industrie gearbeitet.

Wie kamst du an deinen allerersten Auftrag?

Ich verbrachte Stunden in der Bibliothek der HWP in Hamburg, suchte Adressen von Firmen in Frankreich, Italien, Portugal, der Schweiz und Deutschland raus, die auf der Gifa 1989 ausstellten. Ich weiß nicht mehr, wie viele Briefe (Mailings) ich damals ausdruckte und unterschrieb. Das Porto für meine Werbekampagnen riss in den ersten Jahren echt Löcher in den Geldbeutel. Mit Glück, Zufall, was auch immer, meldeten sich bei mir einige Firmen, die ich mit meinem Fachwissen überzeugen konnte und die treue Kunden wurden (zu dreien unterhalte ich heute noch enge Geschäftskontakte). Großer Dank gilt hier der in der WiKo-Vorlesung in Germersheim gebüffelten AIDA-Formel.

Arbeitest du vorwiegend mit Agenturen oder mit Direktkunden und hat sich das im Lauf der Zeit geändert?

Hin und wieder dolmetschte ich schon für Agenturen (während des Studiums dolmetschte ich viel für eine Agentur in Germersheim, wie die meisten von uns damals), aber eher selten. Für Agenturen habe ich in den letzten 33 Jahren exakt 6 Mal übersetzt. Ich arbeite seit vielen Jahren zu 100 % für Direktkunden.

Was liebst du an deinem Job am meisten?

Das Klönen mit den Kunden am Telefon oder in den Dolmetschpausen, die Vertraulichkeit, die Kundentreue.

Was hasst du an deinem Job am meisten?

Ablage machen!

Was war dein bisher schönstes Übersetzungsprojekt?

Ein Kochbuch aus dem Italienischen ins Deutsche (ich bin Hobbyköchin).

Welchen Tipp würdest du anfangenden Kolleginnen geben?

Sich ein griffiges Profil geben und dem Kunden ein nutzbringendes Portefeuille anbieten

Wie hast du es geschafft, dir ein berufliches Netzwerk (zu Firmen, aber auch zu Kollegen) aufzubauen?

Quatschen! Ich bin zwar eine echte Quasselstrippe, kann aber auch sehr gut zuhören. Neugierde, immerwährende Begeisterung für die Arbeit und die Menschen in meinem Umfeld. Um richtig gut zu quatschen, muss man Präsenzseminare, Konferenzen und hin und wieder ein PowWow besuchen.

Welchen Tipp hast du für die erfolgreiche Kundenakquise?

Erst einmal an der eigenen Kommunikation arbeiten und die Sehrichtung vom Kunden ausgehend einschlagen. Beides beherrschen leider nur sehr wenige.

Was würdest du an deiner Ausbildung/an deinem Werdegang heute anders machen, wenn du könntest?

Den 6-Semester-Ausflug Russisch streichen, dafür noch ein Zweitstudium in Clausthal dranhängen. Sonst ist bei mir fast alles im Leben wie am Schnürchen gelaufen.

Was war deine bisher beste Anschaffung?

Mein Stehschreibtisch.

Wie hältst du dich auch als alter Hase auf dem Laufenden?

Ich besuche Ø 2–3 Präsenzseminare im Jahr, gehe zu Konferenzen/Tagungen und engagiere mich im BDÜ. Viele neue Inputs erhalte ich aber auch durch meine Praktikanten. Ich biete Praktika in meinem Büro für Studenten und betreue auch als Zweitbetreuerin Bacheloranden.

Welche Bücher und/oder Veranstaltungen kannst du empfehlen?

Bücher sind zwar nett, aber meist werden sie nur gekauft, um einzustauben. Häufig sitzen Leser aber auch dem Irrglauben auf, man müsse nur lesen und könne das Gelesene 1:1 umsetzen. Dabei hat jeder andere Lebensvorzeichen – auch der Autor! –, die nicht berücksichtigt werden können; es würde nie zwischen zwei Buchdeckel passen. Gleiches gilt für Internet-Tutorials und YouTube-Filmchen (inflationär und doch nicht weiterführend). Wer seriös und nachhaltig vorgehen möchte, ist mit VHS-Kursen, BDÜ-Seminaren, MeinBDÜ-Konferenzen, Tekom-Workshops, etc. pp. und gezielt ausgesuchten Mentoren deutlich besser beraten. Kurz: Lebendiger Austausch führt am weitesten voran. Meist hilft der Griff zum Telefon schon richtig weiter. Aus dem lebendigen, maßgeschneiderten Gespräch lässt sich am ehesten ein roter Faden für das eigene Vorankommen finden. Nicht Theorie, sondern Pragmatik, so mein Credo.

Interview-Reihe Teil 5: Susanne Schmidt-Wussow

Susanne ist Diplom-Übersetzerin für Französisch und Japanisch, doch wie das Schicksal so spielt, übersetzt sie seit Beginn ihrer freiberuflichen Laufbahn vor 20 Jahren am häufigsten aus dem Englischen. Im Laufe der Zeit haben sich für sie zwei relativ getrennte Geschäftsbereiche herausgebildet, denn sie arbeitet ebenso gern als Fachübersetzerin für Medizin und Biologie (www.schmidt-wussow.de) wie als Übersetzerin von Kinder- und Sachbüchern (www.buchprinzessin.de). Ihr Blog „300 Words“ (blog.schmidt-wussow.de) liegt leider seit geraumer Zeit im Dornröschenschlaf, aber wer weiß? Vielleicht erwacht es irgendwann ja doch noch wieder zum Leben … Man soll die Hoffnung ja nie aufgeben. Auf Twitter ist sie schon seit geraumer Zeit als @frenja unterwegs und Facebook ist so etwas wie ihr zweiter Wohnsitz.

Wie kamst du auf die Idee, Übersetzerin zu werden?

Als ich etwa 15 war, hielt eine Lehrerin (ich weiß gar nicht mehr, in welchem Fach das war) ein Blatt mit einem englischen Text hoch und fragte, wer denn gut in Englisch sei. Meine Klasse zeigte auf mich, den Sprachnerd, und sie fragte mich, ob ich wohl diesen Text zu Hause ins Deutsche übersetzen könnte, weil sie ihn mit der Klasse besprechen wollte. Soweit ich mich erinnere, war es ein afrikanischer Schöpfungsmythos, und ich weiß noch genau, wie viel Spaß mir das Übersetzen gemacht hat. Ein echter englischer Text in freier Wildbahn, das war schon etwas anderes als die Schulbuchtexte, die ich sonst so gewohnt war. Ich weiß nicht mehr, wie gut meine Übersetzung tatsächlich wurde, aber von da an stand mein Berufswunsch fest.

Wie hast du deine Spezialisierung gefunden und wie hast du dich dann in diesem Fachbereich spezialisiert?

Ich habe mich auf Medizin (vor allem Zahnmedizin) und Biologie spezialisiert und im weiteren Sinn auch auf andere naturwissenschaftliche Texte. Das war einfach eine Frage des Interesses – Jura und Wirtschaft fand ich schon während des Studiums in den Fachübersetzungskursen furchtbar langweilig, während mich medizinische und naturwissenschaftliche Themen schon immer interessierten. Also übernahm ich immer mehr Aufträge aus diesen Bereichen, wenn sie mir angeboten wurden, und lernte durch die erforderlichen Recherchen bei jedem Auftrag dazu. Später begann ich dann, gezielt Fortbildungsveranstaltungen des BDÜ und anderer Verbände (z. B. des ITI Medical Network) zu besuchen, ging auf Messen, Fachkongresse und Infoveranstaltungen in meinen Bereichen (in Berlin ist die Auswahl zu meinem Glück sehr groß, die Charité bietet häufig solche Veranstaltungen an) und auch einige meiner Direktkunden bieten Weiterbildungskurse an, die mir natürlich durch die Nähe zu ihren Produkten bei meiner Arbeit besonders weiterhelfen. Auch Webinare sind eine gute Möglichkeit, sich ohne viel Zeitaufwand und relativ kostengünstig weiterzubilden. Eine Weile habe ich auch sehr gerne MOOCs (Massive Open Online Courses) absolviert, dazu fehlt mir inzwischen leider ein bisschen die Zeit.

Wie kamst du an deinen allerersten Auftrag?

Mein allererster Auftrag kam noch während meines Studiums. Ich hatte mit zwei Freundinnen zusammen ein studentisches Übersetzungsbüro gegründet (das es in abgewandelter Form – und natürlich inzwischen nicht mehr studentisch – übrigens heute noch gibt) und sollte dann für eine andere Studentin oder Doktorandin einen japanischen Text über Musikwissenschaft übersetzen. Das war spannend, hat großen Spaß gemacht und Zeit hatte ich auch genügend. Insgesamt eine tolle Erfahrung, auch die Kundin war sehr zufrieden. Mein erster Auftrag nach dem Diplom kam durch eins der damals noch nicht so zahlreichen Portale, wenn ich mich recht erinnere, wahrscheinlich entweder TraduGuide oder Sprachmittler.de.

Arbeitest du vorwiegend mit Agenturen oder mit Direktkunden und hat sich das im Lauf der Zeit geändert?

Am Anfang hatte ich überwiegend Agenturkunden, wie wohl die meisten. Inzwischen arbeite ich kaum noch mit Agenturen, aus diesem Markt habe ich mich wohl inzwischen „rausgepreist“. Ab und zu kommen noch Anfragen für beglaubigte Übersetzungen aus dem Japanischen, die schiebe ich dann manchmal noch dazwischen, aber neben den Preisen sind auch die oft kurzen Deadlines für mich problematisch – meistens bin ich so ausgelastet, dass ich kurzfristig keine größeren Aufträge annehmen kann, und bei den Agenturen muss es ja oft hopphopp gehen. Den Stress brauche ich, ehrlich gesagt, auch nicht unbedingt. Direktkunden habe ich einige wenige, da macht mir die Zusammenarbeit auch viel mehr Spaß, weil ich direkt sehe, was aus meinen Übersetzungen wird, ich kann knifflige Terminologieprobleme direkt mit den richtigen Ansprechpartnern lösen und fühle mich nicht wie eine von vielen, so wie es bei Agenturen häufig dann doch ist. Am häufigsten arbeite ich derzeit für Verlage oder sogenannte Book-Packager, also Agenturen, die von der Übersetzung über das Lektorat bis zum Druck die Erstellung eines deutschen Titels für die Verlage übernehmen.

Was liebst du an deinem Job am meisten?

Definitiv die Abwechslung! Heute arbeite ich an einer hochtechnischen Broschüre über die neuesten kieferorthopädischen Technologien, morgen ist wieder ein Kinderbuch dran und danach vielleicht ein Sachbuch für Erwachsene. Jeder Text hat andere Schwierigkeiten und Anforderungen, für jeden brauche ich unterschiedliche Bereiche meines Gehirns. Deshalb vermeide ich es inzwischen möglichst auch, an einem Tag an zwei Projekten zu arbeiten. Das habe ich früher meist so gemacht, um das Gefühl zu haben, mit beiden voranzukommen, aber ich verliere einfach zu viel Zeit, bis ich von einem Modus in den anderen umgeschaltet habe.

Was hasst du an deinem Job am meisten?

Na ja, „hassen“ wäre vielleicht ein bisschen übertrieben, aber es ist schon ein wenig belastend auf die Dauer, wenn man nur schwer richtig abschalten kann, weil man in Gedanken schon beim nächsten Auftrag ist oder aber sich Sorgen macht, wann er kommt. Dass man sich oft nicht mal ein paar Tage freinimmt, wenn man krank ist, sondern sich trotzdem irgendwie an den Schreibtisch schleppt, weil „freie“ Tage vor allem umsatzfreie Tage bedeuten und das im Kopf eine zusätzliche Belastung ist – hilft auch nicht gerade beim Auskurieren. Das hat allerdings nicht direkt mit dem Übersetzerinnendasein zu tun, sondern eher mit der Selbstständigkeit, das geht freien Autorinnen, Grafikerinnen, Webdesignerinnen etc. ja nicht anders. Früher habe ich Preisverhandlungen gehasst, aber inzwischen macht mir das nicht mehr viel aus. Alles Übungssache!

Was war dein bisher schönstes Übersetzungsprojekt?

Oh, da gab es so einige! Eins der absoluten Highlights der letzten Jahre war aber die Übersetzung von „Die Lagune“ von Armand Leroi, ein erzählendes Sachbuch über Aristoteles und wie er die Naturwissenschaften erfand. Das war zum einen einfach hinreißend geschrieben und zum anderen verlangte es mir auch einiges ab, was die Recherche anging – ich musste also sprachlich wie fachlich alle Register ziehen und buchstäblich alles geben, was ich konnte. Das war ein unglaublich befriedigendes Gefühl im Vergleich zu, sagen wir mal, Itemlisten für Online-Computerspiele, wie ich sie am Anfang meiner Karriere noch häufiger auf dem Tisch hatte. Und als „mein“ Buch dann auch noch in den Feuilletons der großen Zeitungen gut besprochen wurde, platzte ich natürlich vor Stolz!

Welchen Tipp würdest du anfangenden Kolleginnen geben?

Habt keine Angst vor dem Scheitern! Man bekommt heute zu allen Themen, die mit dem Übersetzerinnendasein zu tun haben, so viele unterschiedliche Ratschläge – egal, ob es um Tools geht oder um Akquise oder um Preisverhandlungen, es gibt nicht den einen Königsweg, der für alle richtig ist. Man muss selbst ausprobieren, was zu einem passt, was funktioniert und was nicht, und Fehlversuche und Scheitern gehören unbedingt dazu! Auch wenn man mal was ausprobiert und hinterher weiß, das funktioniert für mich definitiv nicht, hat man eine wichtige Erkenntnis gewonnen. Man hat nichts „falsch“ gemacht, sondern etwas ausprobiert. Und wenn man wirklich mal einen richtig schlimmen Fehler gemacht hat – auch das kommt vor, ist fast allen mal passiert. Wichtig ist nur, daraus zu lernen und ihn nicht zu wiederholen.

Achtet von Anfang an auf Ergonomie am Arbeitsplatz. Investiert lieber erst mal in einen guten Bürostuhl statt in eine teure Software. Ihr werdet einen Großteil der nächsten Jahrzehnte am Schreibtisch verbringen – euer Rücken wird es euch danken.

Wie hast du es geschafft, dir ein berufliches Netzwerk (zu Firmen, aber auch zu Kollegen) aufzubauen?

Ich habe festgestellt, dass berufliche Beziehungen nicht vollkommen anders sind als private: Auch sie wollen gepflegt werden und dazu muss man sich ab und zu einfach mal blicken lassen. Es liegt mir überhaupt nicht, auf Netzwerkveranstaltungen oder Messen neue Kontakte zu knüpfen, das mache ich nicht mehr. Ich versuche aber, meine wichtigsten Kunden ab und zu auf Messen oder ähnlichen Veranstaltungen zu besuchen, das macht einfach einen Unterschied, wenn man ein Gesicht vor Augen hat (auf beiden Seiten) und nicht nur eine E-Mail-Signatur. Den Kontakt zum Kolleg*innenkreis halte ich teils über diverse soziale Medien wie Twitter und Fachforen auf Facebook, teils über Treffen wie das alljährliche Powwow in Berlin, Stammtische (zu selten) und natürlich Konferenzen und Seminare. Da hat man immer ein paar Tage zusammen und bei einem entspannten Abend im Restaurant oder in der Kneipe lernt man sich gleich noch mal besser kennen als tagsüber, wenn man noch das Berufsgesicht trägt. :-)

Welchen Tipp hast du für die erfolgreiche Kundenakquise?

Erfolgreich ist man eigentlich ja immer nur mit dem, was einem liegt und von dem man überzeugt ist. Kaltakquise funktioniert bei mir zum Beispiel überhaupt nicht, ebenso alles andere, was über das Telefon geht, da bin ich einfach nicht so souverän wie schriftlich. Mit Blindbewerbungen dagegen hatte ich schon überraschend häufig Erfolg, auch wenn einem sonst jeder sagt, das hätte überhaupt keinen Sinn (z. B. bei Verlagen). Mein Tipp ist daher: Probiert verschiedene Akquisewege aus und bleibt bei dem, was euch am leichtesten fällt und wo ihr euch am wenigsten verstellen müsst. Für manche ist das ein zwangloses Gespräch am Messestand, für andere das Netzwerkfrühstück, für wieder andere gezielte E-Mails oder ganz was anderes. Seid kreativ und auch hier: Keine Angst vor dem Scheitern!

Was würdest du an deiner Ausbildung/an deinem Werdegang heute anders machen, wenn du könntest?

Ich habe mich direkt nach der Uni selbstständig gemacht, vollkommen ohne Businessplan und auch ohne viel Ahnung von der Berufspraxis. Ganz schön blauäugig, wenn ich heute so drüber nachdenke, aber es hat zum Glück trotzdem gut geklappt. Was ich über das Dasein als Freiberuflerin und Unternehmerin wissen musste, habe ich mir nach und nach angeeignet, aber da ich niemals angestellt gearbeitet habe, fehlt mir bis heute der Einblick in Unternehmensabläufe. Das habe ich schon häufiger bedauert, weil ich dadurch manchmal wirklich Schwierigkeiten habe, mich in meine Unternehmenskunden hineinzudenken. Wer ist wofür zuständig, wer entscheidet was, wie hoch ist der Druck auf den Ausführenden, die z. B. mich beauftragen? Ich würde also im Rückblick vielleicht doch erst mal versuchen, eine Weile irgendwo in Festanstellung zu arbeiten, bevor ich mich selbstständig mache. Wobei – als ich anfing, wurden die Sprachendienste der Unternehmen gerade überall abgebaut und alles an Agenturen ausgelagert, es war also gar nicht so einfach, irgendwo eine Anstellung zu finden. Als Freiberuflerin dagegen hatte man damals ganz gute Chancen, die Globalisierung nahm gerade erst an Fahrt auf, der Markt war noch viel übersichtlicher und weniger hart umkämpft als heute. Falsch war die Entscheidung also nicht, auch wenn mir heute die Angestelltenperspektive manchmal fehlt.

Was war deine bisher beste Anschaffung?

Wahrscheinlich mein Zeiterfassungstool. Heißt JobTimer und ich habe es von Anfang an verwendet, um meine Nettoarbeitszeit zu bestimmen. Es funktioniert wie eine Stechuhr, ich klicke einfach auf einen Button, wenn ich anfange zu übersetzen, und klicke wieder, wenn ich eine Pause mache. So habe ich erstens ein gutes Gefühl dafür, wie lange ich für einen Text brauche, und kann außerdem hinterher bestimmen, wo mein Stundensatz lag, ob sich der Auftrag also gelohnt hat oder nicht. Das ist manchmal sehr ernüchternd, aber auch notwendig. So kann ich sehen, ob ich zu viel Zeit mit den falschen, sprich unlukrativen Aufträgen verbringe, und gezielt mehr in Richtung lukrative steuern.

Noch ein Tool, auf das ich nicht verzichten möchte: der TextExpander. Der ersetzt Kürzel, die ich eintippe, durch vorher definierte Wörter, Satzteile oder ganze Textbausteine, und das in jeder gewünschten Anwendung. Was hat der mir nicht schon für Zeit gespart! Vor allem in Texten mit vielen Wiederholungen und wiederkehrenden Formulierungen wie Koch- und Handarbeitsbüchern, aber auch Namen in Kinderbüchern, Standardabsagen per E-Mail – geht alles ratzfatz und um Tippfehler muss ich mir auch keine Sorgen machen. Ganz fantastisches kleines Helferchen.

Gelohnt hat sich für mich auch die Entscheidung für ein InDesign-Abo, weil ich den Verlagen so eine Extraleistung anbieten kann: Übersetzen direkt im Layout. Erleichtert ihnen die Arbeit und ich kann ein bisschen mehr dafür berechnen als fürs reine Übersetzen. Aber es ist natürlich immer sehr individuell, welche Anschaffungen sich in der eigenen Situation lohnen und welche nicht – die Windows-Partition auf meinem Rechner samt Trados (ich arbeite am Mac) hätte ich mir z. B. sparen können, die benutze ich so gut wie nie, sondern stattdessen ein anderes CAT-Tool (CafeTran), das wunderbar auch mit Studio-Dateien zurechtkommt. Wobei ich die ohnehin selten bekomme, da ich ja kaum für Agenturen arbeite. Aber wie gesagt, so was hängt total von der individuellen Situation ab.

Wie hältst du dich auch als alter Hase auf dem Laufenden?

Zu lernen gibt es immer was. Ich halte ständig die Augen offen nach interessanten Veranstaltungen – es gibt in Berlin zum Beispiel nicht wenige öffentliche Vortragsreihen oder Symposien, mit denen ich den Anschluss in den medizinischen und medizintechnischen Entwicklungen in meiner Region halte, aber auch unter den Webinaren vom BDÜ finde ich immer mehr für mich Interessantes. Am liebsten tummle ich mich da, wo keine anderen Übersetzer*innen sind, man schmort sonst doch zu schnell im eigenen Saft. Nicht, dass ich nicht gerne mit Kolleg*innen Zeit verbringe, aber das dann eher unter dem Motto Netzwerken.