Interview-Reihe Teil 9: Erik Hansson

Erik Hansson ist gebürtiger Schwede und wohnt seit 1991 in Deutschland. Er ist professioneller Übersetzer für Deutsch ins Schwedische und spezialisiert auf technische Bereiche wie erneuerbare Energien, Automatisierung und Maschinenbau.

Eines seiner Steckenpferde ist es, die Professionalität in der Übersetzungsbranche zu stärken und das unternehmerische Bewusstsein unter freiberuflichen Kollegen zu unterstützen. Erik ist außerdem auch aktiv auf Twitter sowie Gründer der bekannten Facebook-Gruppe Things Translators Never Say, kurz TTNS, die mittlerweile über 14.000 Mitglieder zählt.

info@hansson.de | www.hansson.de

Wie kamst du auf die Idee, Übersetzer zu werden?

Der Weg ging nicht geradeaus, also muss ich erst etwas ausholen. Schon als Kind habe ich mich für fremde Länder, Sprache und Kulturen interessiert. Neben Englisch ab der 3. Klasse habe ich ab der 7. Klasse außerdem Deutsch als zweite Fremdsprache gelernt. Sprachen lernen fiel mir sowieso immer recht leicht. Da ich aber recht früh verstand, dass neben Sprachkenntnissen auch Fachwissen erforderlich ist, habe ich danach das technische Gymnasium mit Schwerpunkt auf Elektrotechnik besucht. Danach folgten Studien in Politologie, Statistik und VWL – also eher aus dem nicht-technischen Bereich.

In den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren bereiste ich Student ziemlich oft Ost- und Mitteleuropa. So lernte ich hier meine deutsche Freundin kennen und entschloss mich schließlich Anfang der 90er-Jahre von Schweden nach Deutschland zu ziehen.

Kurz nach meinem Umzug nach Deutschland begann ich mehr oder weniger zufällig als Englischlehrer bei verschiedenen privaten Bildungsträger. Es stellte sich heraus, kurz nach der deutschen Wiedervereinigung, dass es in den fünf neuen Ländern eine große Nachfrage nach Englischlehrern in Fort- und Weiterbildungskursen für Arbeitslose gab. Recht bald begann ich, mein Sprachdienstleistungsgeschäft aufzubauen, das sich auf verschiedene Sprachdienstleistungen konzentrierte und Schulungen, Übersetzungen und Dolmetschleistungen umfasste. Schon nach ein paar Jahren hatte ich immer mehr Übersetzungsaufträge, sodass ich Ende der Neunzigerjahre beschloss, den Unterrichtssektor mehr oder weniger zu verlassen und mich ganz auf das Übersetzen zu konzentrieren. Ich bin also der klassische Seiteneinsteiger in der Übersetzerbranche.

Heute übersetze ich hauptsächlich technische Texte aus den Bereichen Maschinenbau, Anlagenbau und erneuerbare Energien.

Wie hast du deine Spezialisierung gefunden und wie hast du dich dann in diesem Fachbereich spezialisiert?

Wie bei vielen Kollegen ergab sich meine Spezialisierung eher durch Zufall. Zu meinen ersten Kunden gehörten verschiedene Hersteller von Werkzeugmaschinen, die ihre Produkte nach Schweden exportieren. Durch meine technische Ausbildung war mir dieser Fachbereich mit Metallverarbeitung nicht ganz fremd, und so konnte ich nach und nach mein Wissen ausbauen. Zu jedem neuen Fachbereich, der mir liegt, und in dem ich mich spezialisieren möchte, gehe ich auch ähnlich vor:

  • relevante Fachliteratur suchen
  • Kataloge vom Kunden und deren Wettbewerbern (in meinen Arbeitssprachen) wälzen
  • mich über neue Gesetzgebungen und Richtlinien informieren
  • Fachmessen besuchen und mit Fachleuten über neue Entwicklungen fachsimpeln

Wie kamst du an deinen allerersten Auftrag?

Der allererste Auftrag war ein kleiner Tourismustext von einer Kleinstadt in Mecklenburg-Vorpommern, die Besucher aus Schweden anlocken wollte. Wenn ich mich richtig erinnere, war es das Ergebnis einer Kaltakquise-Aktion. Der Auftrag an sich war recht interessant und auch lehrreich, aber hinterher wusste ich, dass ich mich auf Technik statt Marketing konzentrieren sollte.

Arbeitest du vorwiegend mit Agenturen oder mit Direktkunden und hat sich das im Lauf der Zeit geändert?

Von Anfang an strebte ich danach, Kunden aus beiden Segmenten zu finden. Momentan sind es zwar mehr Agenturen als Endkunden, allerdings mache ich ständig Akquise, sodass sich das Verhältnis über die Zeit ändern könnte. Für mich ist es eher wichtig aufzupassen, dass kein Kunde für 20 % oder mehr des Umsatzes aufkommt. Alle Eier in einen Korb zu legen ist niemals gut!

Was liebst du an deinem Job am meisten?

Das ist definitiv die tägliche Abwechslung: am Montag die Bedienanleitung zu einer Flaschenabfüllanlage, am Mittwoch die technische Produktbeschreibung einer Alarmanlage für ein Eigenheim und am Freitag die Installationsanweisung zu einer vollautomatisierten Bestückungsanlage für ein Hochregallager. Es wird nie langweilig!

Was hasst du an deinem Job am meisten?

Die zunehmend schlechte Zahlungsmoral und dass ich meinem Geld hinterherrennen muss. Direkte Zahlungsausfälle kommen zum Glück äußerst selten vor, z. B. wenn ein Endkunde insolvent wird. Der Erfindungsreichtum, wenn es um Gründe für die nicht pünktliche Begleichung einer Rechnungen geht, ist schon erstaunlich. Der Klassiker ist, dass die Rechnung nicht eingetroffen ist, und dies obwohl sie zusammen mit der Übersetzung geliefert wurde. Auch die Begründung von manchen Agenturen, dass die Rechnung nicht beglichen werden kann, weil der Endkunde nicht bezahlt hat, zieht bei mir nicht. Der Kunde meines Kunden ist nicht mein Kunde. Eine pünktliche Lieferung setzt auch eine pünktliche Begleichung voraus.

Welchen Tipp würdest du anfangenden Kolleginnen geben?

Ein gut funktionierendes Netzwerk unter Kollegen ist das A und O. Einige meiner besten Kunden habe ich übrigens durch Empfehlung von Kollegen, die diese Kunden mit anderen Sprachkombinationen bedienen. Gute Gelegenheiten bieten Übersetzerkonferenzen, Stammtische oder Seminare – und auch online in diversen Foren und Gruppen.

Auch wenn einige das Wort nicht gern in den Mund nehmen: Wir sind Unternehmer. Um potentielle Kunden zu überzeugen, ist es daher wichtig, auf allen Ebenen professionell zu agieren. Dies fängt bei der Online-Präsenz an (Profilseite oder Webseite), geht über die Erstellung von Angeboten und Kalkulationen weiter und schließt sich durch die pünktliche Lieferung der Übersetzung ab. Unsere Leistungen werden zeitnah abgerechnet und wir erwarten auch eine pünktliche Begleichung der Rechnungen. Dies wird auch so unmissverständlich dem Kunden kommuniziert.

Nur mit einem professionellen Auftreten können wir auch erwarten, dass der Kunde uns auf Augenhöhe begegnet.

Richtlinie zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32011L0007&from=EN

Gesetz zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr

https://www.haufe.de/recht/weitere-rechtsgebiete/wirtschaftsrecht/gesetz-zur-bekaempfung-des-zahlungsverzugs-im-geschaeftsverkehr_210_269632.html

Wie hast du es geschafft, dir ein berufliches Netzwerk (zu Firmen, aber auch zu Kollegen) aufzubauen?

Firmenkontakte:

  • Aufmerksam die Wirtschaftsnachrichten lesen, mit Schwerpunkt auf neue Kooperationen zwischen Deutschland und Schweden. Firmen und Ansprechpartner recherchieren, einfach anschreiben und meine Dienstleistungen anbieten.
  • bei Fachmessen und IHK-Veranstaltungen die Firmenvertreter ansprechen

Kollegen:

  • immer wieder das Gespräch mit Kollegen bei Seminaren, Stammtischen und Konferenzen suchen

Welchen Tipp hast du für die erfolgreiche Kundenakquise?

Unbedingt ein erfolgreiches und aktives Kollegennetzwerk aufbauen. Ausreichend Geduld bei der Akquise, da manche der angeschriebenen Firmen nicht innerhalb eines Monats Bedarf an Übersetzungen haben, sondern vielleicht erst in zwei Jahren. Bei bestehenden Kunden, die eine längere Zeit nicht bestellt haben, lohnt es sich manchmal, sich kurz in Erinnerung zu bringen.

Was würdest du an deiner Ausbildung/an deinem Werdegang heute anders machen, wenn du könntest?

Jetzt wenn ich nachdenke, gibt es eigentlich nichts, was ich ändern möchte.

Was war deine bisher beste Anschaffung?

Meine beste Anschaffung ohne Zweifel war eine USV (unterbrechungsfreie Spannungsversorgung), die ich direkt zwischen der Netzversorgung und meinem Arbeitsrechner anschließe. Mit diesem Gerät kann ich nicht nur bei einem plötzlichen Stromausfall weiterarbeiten. Es hat mich außerdem schon mehrmals davor bewahrt, dass mein Rechner bei Gewitter durchbrannte. Eine kleine Investition mit großem Nutzen.

Wie hältst du dich auch als alter Hase auf dem Laufenden?

Vor allem bleibe ich immer neugierig und lese viel Fachliteratur. Neben verschiedenen Veranstaltungen für Übersetzer und Fachleute aus „meinen Fachbereichen“, halte ich mich ständig à jour mit Neuentwicklungen in meiner Muttersprache. Dies ist besonders wichtig für alle, deren Zielsprache nicht in dem Land gesprochen wird, in dem man wohnt. Fast jeden Tag schaue ich schwedisches Fernsehen und lese außerdem aktuelle Nachrichten und verfolge gesellschaftliche Debatten.

Welche Bücher und/oder Veranstaltungen kannst du empfehlen?

Ratgeber, die sich an verschiedene Leser wenden, gibt es mittlerweile viele. An dieser Stelle möchte ich auf alle Fälle empfehlen:

Confessions of a Freelance Translator: Secrets to Success von Gary Smith.

Ansonsten lege ich es jedem Kollegen nahe, sich die Angebote an Webinars beim BDÜ, DVÜD und ADÜ Nord anzuschauen. Es wird eine Fülle an Weiterbildungsveranstaltungen angeboten, und einige sind sogar kostenlos. Wer auf der Suche nach Endkunden ist, findet manchmal interessante Events bei der örtlichen IHK oder den jeweiligen Außenhandelskammern (AHK).

Ein Gedanke zu „Interview-Reihe Teil 9: Erik Hansson

  1. Bravo, Erik! Ich habe ihn in Buenos Aires persönlich kennengelernt und kann sagen, dass er auch sehr nett und freundlich ist. Dieses Interview freut mich sehr! Freundliche Grüße aus dem Río de la Plata.

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