Interview-Reihe Teil 6: Jacqueline Marcella Breuer

Jacqueline Marcella Breuer (bei Facebook vielen als Jackie Stech bekannt), verheiratet, 2 Töchter, ist in Frankreich und Deutschland aufgewachsen und machte Ihren Abschluss am FASK in Germersheim, nachdem sie weiterführende Ausbildungen in Florenz und Lissabon genossen hatte.

Schon während des Studiums befasste sie sich intensiv mit dem Interkulturellen Technical Writing und Qualitätssicherung/Spezialisierung im Übersetzungswesen. In den letzten 32 Jahren wurde sie, im Zuge kundenseitig erfolgter, betriebsinterner Umstrukturierungen, von ihren Übersetzungsgroßkunden aus der Industrie zunehmend als externe bzw. interne Projektmanagerin beauftragt. Von ursprünglich 4 „eigenen“ Sprachen (it, pt, fr und de) heißt es nun, neben den alltäglichen Arbeiten auch ein Kollegennetzwerk mit bis zu 21 Sprachen zu leiten.

Jacqueline Breuer schreibt Beiträge für Berufsverbandsveröffentlichungen und hält Vorträge zu den Themen Qualitätssicherung, Marketing für Übersetzer und Projektmanagement u. a. für den AITI (Verband der Ü. und D. Italien), an der Universität Mainz – FTSK Germersheim und verfasst Redaktionelle Beiträge für Fachmagazine aus dem Fachverlag Springer (München). Seit 2007 betreut die Freelancerin Praktikanten und ist eine leidenschaftliche Mentorin für Berufseinsteiger. Seit 2014 ist sie im BDÜ LV Nord für das Mentoringprogramm verantwortlich in dessen Rahmen sie regelmäßig in Hameln den Mentoringtag durchführt.

Jacqueline Marcella Breuer ist Mitglied im BDÜ, TEKOM, VDG.

Wie kamst du auf die Idee, Übersetzerin zu werden?

Ich bin im Elsass, also zweisprachig, groß geworden. Irgendwann sah ich im deutschen Fernsehen (das konnten wir in den 1960ern gut in Frankreich empfangen) einen Film, in dem Stewardessen vorkamen. Ich wollte fortan reisen, fremde Sprachen sprechen und Menschen bei Verständigungsproblemen helfen. Da war ich 8! Irgendwie dachte ich, man müsse Übersetzungswissenschaften dafür studieren. So kannte ich meinen Weg schon sehr früh: Baccalauréat (OK, wurde dann doch das deutsch Abi) – aus meinem Abi-Jahrgang bin ich tatsächlich die Einzige, die genau das wurde, wonach sie ihre LK-Kurse gewählt hatte – schließlich das FASK (heute FTSK) in Germersheim ( bewarb mich 1987 tatsächlich auch bei Airlines, nur um festzustellen, dass man dafür eher Hotelfach hätte lernen sollen. Stewardessen müssen nicht wissen, warum ein Flugzeug fliegt und welche Werkstoffe im Flieger verbaut sind).

Wie hast du deine Spezialisierung gefunden und wie hast du dich dann in diesem Fachbereich spezialisiert?

In Germersheim belegte ich als Ergänzungsfach „Technik“, ein Modul war dabei die Werkstoffkunde mit dem Urformen, Umformen, Fügen und Trennen. Vor der Abschlussprüfung ging ich mehrere Wochen zu meinem Onkel (Gießer alter Schule) in Klausur, um das Eisen-Kohlenstoff-Diagramm und so manch anderes gründlich zu lernen. Durch meinen Onkel kam ich dann zur Gießerei, und darüber nach und nach in angrenzende Fachbereiche. Ich habe in meinen 33 Jahren Freelancer-Dasein fast nur für die Industrie gearbeitet.

Wie kamst du an deinen allerersten Auftrag?

Ich verbrachte Stunden in der Bibliothek der HWP in Hamburg, suchte Adressen von Firmen in Frankreich, Italien, Portugal, der Schweiz und Deutschland raus, die auf der Gifa 1989 ausstellten. Ich weiß nicht mehr, wie viele Briefe (Mailings) ich damals ausdruckte und unterschrieb. Das Porto für meine Werbekampagnen riss in den ersten Jahren echt Löcher in den Geldbeutel. Mit Glück, Zufall, was auch immer, meldeten sich bei mir einige Firmen, die ich mit meinem Fachwissen überzeugen konnte und die treue Kunden wurden (zu dreien unterhalte ich heute noch enge Geschäftskontakte). Großer Dank gilt hier der in der WiKo-Vorlesung in Germersheim gebüffelten AIDA-Formel.

Arbeitest du vorwiegend mit Agenturen oder mit Direktkunden und hat sich das im Lauf der Zeit geändert?

Hin und wieder dolmetschte ich schon für Agenturen (während des Studiums dolmetschte ich viel für eine Agentur in Germersheim, wie die meisten von uns damals), aber eher selten. Für Agenturen habe ich in den letzten 33 Jahren exakt 6 Mal übersetzt. Ich arbeite seit vielen Jahren zu 100 % für Direktkunden.

Was liebst du an deinem Job am meisten?

Das Klönen mit den Kunden am Telefon oder in den Dolmetschpausen, die Vertraulichkeit, die Kundentreue.

Was hasst du an deinem Job am meisten?

Ablage machen!

Was war dein bisher schönstes Übersetzungsprojekt?

Ein Kochbuch aus dem Italienischen ins Deutsche (ich bin Hobbyköchin).

Welchen Tipp würdest du anfangenden Kolleginnen geben?

Sich ein griffiges Profil geben und dem Kunden ein nutzbringendes Portefeuille anbieten

Wie hast du es geschafft, dir ein berufliches Netzwerk (zu Firmen, aber auch zu Kollegen) aufzubauen?

Quatschen! Ich bin zwar eine echte Quasselstrippe, kann aber auch sehr gut zuhören. Neugierde, immerwährende Begeisterung für die Arbeit und die Menschen in meinem Umfeld. Um richtig gut zu quatschen, muss man Präsenzseminare, Konferenzen und hin und wieder ein PowWow besuchen.

Welchen Tipp hast du für die erfolgreiche Kundenakquise?

Erst einmal an der eigenen Kommunikation arbeiten und die Sehrichtung vom Kunden ausgehend einschlagen. Beides beherrschen leider nur sehr wenige.

Was würdest du an deiner Ausbildung/an deinem Werdegang heute anders machen, wenn du könntest?

Den 6-Semester-Ausflug Russisch streichen, dafür noch ein Zweitstudium in Clausthal dranhängen. Sonst ist bei mir fast alles im Leben wie am Schnürchen gelaufen.

Was war deine bisher beste Anschaffung?

Mein Stehschreibtisch.

Wie hältst du dich auch als alter Hase auf dem Laufenden?

Ich besuche Ø 2–3 Präsenzseminare im Jahr, gehe zu Konferenzen/Tagungen und engagiere mich im BDÜ. Viele neue Inputs erhalte ich aber auch durch meine Praktikanten. Ich biete Praktika in meinem Büro für Studenten und betreue auch als Zweitbetreuerin Bacheloranden.

Welche Bücher und/oder Veranstaltungen kannst du empfehlen?

Bücher sind zwar nett, aber meist werden sie nur gekauft, um einzustauben. Häufig sitzen Leser aber auch dem Irrglauben auf, man müsse nur lesen und könne das Gelesene 1:1 umsetzen. Dabei hat jeder andere Lebensvorzeichen – auch der Autor! –, die nicht berücksichtigt werden können; es würde nie zwischen zwei Buchdeckel passen. Gleiches gilt für Internet-Tutorials und YouTube-Filmchen (inflationär und doch nicht weiterführend). Wer seriös und nachhaltig vorgehen möchte, ist mit VHS-Kursen, BDÜ-Seminaren, MeinBDÜ-Konferenzen, Tekom-Workshops, etc. pp. und gezielt ausgesuchten Mentoren deutlich besser beraten. Kurz: Lebendiger Austausch führt am weitesten voran. Meist hilft der Griff zum Telefon schon richtig weiter. Aus dem lebendigen, maßgeschneiderten Gespräch lässt sich am ehesten ein roter Faden für das eigene Vorankommen finden. Nicht Theorie, sondern Pragmatik, so mein Credo.

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